Seit 28.04.2008 bin ich Kunde bei dynamic-net.ch. Ich startete damals mit einem VPS-Standard P1 für CHF 256.95. Schon zwei Monate später änderte ich dieses Abonnent in VPS Advanced P2, die Java-Umgebung konnte mit sowenig RAM kaum etwas Sinnvolles ausführen.

Vor einem Jahr kam ein Upgrade von P2 nach vServer “Premium”. Zugegeben entsprach das damalige Leistungsangebot nicht den heutigen erhöhten Leistungsmerkmalen von vServer-Premium Linux.

Das Angebot von dynamic-net.ch AG

Wie erwähnt, benutze ich vServer-Premium für Linux. Der Preis beträgt CHF 49.95 monatlich inkl. MwSt.:


Quelle: Virtual Server Linux & Windows von dynamic-net.ch vom 11.05.2012

Die Rechnung für Premium-Linux

Neulich erhielt ich die Jahresrechnung, dabei gibt es Unterschiede zum obrigen Angebot, ich bezahle nicht 12-mal 49.95 bzw. CHF 599.40 jährlich, sondern CHF 649.95. Zudem ist die MwSt exklusiv:
Rechnung von dynamic-net vServer Premium

Die Arbeitsspeicher-Realität

Premium-Linux hat gemäss Angebot 4096 RAM garantiert und 8192 RAM dynamisch. Ich muss mit mit circa der Hälfte begnügen:

Dynamic-net hält sich nicht an ihre AGB

Sie dürfen selbst urteilen, ob sich Dynamic-net in meinem Fall an ihre allgemeinen Geschäftsbedingungen hält:


3. Angebot und Preise
Für neue wie auch bestehende Accounts gelten ausschliesslich die auf der Website von dynamic-net publizierten aktuellen Angebote und Preise. Alle Preise verstehen sich exkl. MWSt. Dynamic-net behält sich vor, alle Angebote und Preise jederzeit ohne Ankündigung beliebig anzupassen.Angebots- und Preisänderungen treten 1 Monat nach Publikation in Kraft. Sofern die Angebots- oder Preisänderung eine wesentliche Vertragsänderung bewirkt, kann der Kunde den Vertrag per Inkrafttreten der geänderten AGB kündigen. Eine Rückerstattung von Vorauszahlungen erfolgt nicht.
Quelle: ALLGEMEINE GESCHÄFTSBEDINGUNGEN


Diese AGB steht im widerspricht der Aussage des Supports, wie nachfolgenden dargestellt:

Kundendienst arbeitet langsam und kennt ihre AGB nicht!

Dynamic-net brauchte 11 Tage für die folgende Frage zu beantworten:

Mein E-Mail vom 24.02.2012

Guten Tag

Bei vzfree bekomme ich maximal nutzbar 4505.6MB. Ich habe ein vServer Premium, sollte ich daher nicht über 8000 MB bekommen?

Besten Dank für Ihre Bemühungen

Mit freundlichen Grüssen

Hugo Graf


Dynamic-net.ch Antwort vom 6.03.2012:

Sehr geehrter Herr Graf,

Sie nutzen einen älteren Premium-Tarif, bei dem 4 GB RAM zur Verfügung stehen.

Mit freundlichem Gruss,

Lars B. Misch


Jetzt kein Support mehr für mich

Auf meine berechtigte Reklamation bezüglich der obrigen Rechnungsstellung wurde schon gar nicht mehr eingegangen. Scheinbar sind Ihnen gewisse bestehende Kunden ziemlich gleichgültig.

Fazit

Offensichtlich ist nicht nur die Finanzindustrie von der Profitgier geprägt, sondern auch gewisse Internet-Dienstanbieter. Den möglichen Neukunden wird der Hof gemacht, während sich die langjährigen Kunden mit eingeschränkten Leistungen zufriedengeben müssen.

Obwohl ich der dynamic-net.ch bis vor wenigen Monaten sehr zufrieden war und ich sie weiterempfohlen hatte, ist es jetzt umsomehr eine grosse Enttäuschung. Von den 4096 MB / 8192MB RAM darf ich träumen, zudem muss ich die MwSt exklusiv berappen, während der Neukunde nebst den besseren Leistungsmerkmalen diese inkl. hat.

Solche Geschäftspraktiken widersprechen vollständig meinem Gerechtigkeitssinn. Mir ist es verständlich, dass die bestehende Kundschaft nicht umgehend von den besseren Leistungsmerkmalen profitieren kann, spätestens mit der Verlängerung der Abonnementes sollten wir/ich dem Neukunden gleichgestellt werden. Dynamic-net.ch umwirbt die Neukunden, es gibt gar ein Provisionssystem für die Vermittlung:

Geld verdienen mit dem Provisionssystem bei daynamic-net.ch
Quelle: Geld verdienen mit Provisionen von dynamic-net.ch

Person und Geschäfte, die ein solches Modell der Bereicherung an längjährigen Kunden verinnerlicht haben, möchte ich sowohl privat wie auch geschäftlich vermeiden. Augenscheinlich reizen sie die Grenzen des Wechselaufwandes des Server-Hosting Anbieter bei ihren langjährigen Kunden aus.

Übrigens veröffentliche ich diese Angelegenheit auf diesem vServer, ich fürchte keine Benachteiligung durch die dynamich-net.ch, andernfalls würden diese ihre Professionalität und ihre Geschäftsregeln selbst infrage stellen. Ich schreibe hier die Wahrheit und nichts anderes.

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Auch im 2011 gab es einige erstaunliche Geschehnisse an den Finanzmärkten. Dazu gehörte unter anderem der EUR-CHF Mindestkurs wie auch der immense Renditenanstieg der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen. Was mich aber am meisten erstaunte, sind die europäischen Betteltouren für den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in den Schwellenländern. Die westliche Spielart des Kapitalismus hat wirklich ein grosses Problem, wenn Europa oder Nordamerika, die beiden wohlhabendsten Regionen dieser Welt, bei den Schwellenländer um finanzielle Hilfe anklopfen müssen.

Rendite einiger Anlageklassen im 2011

Im 2011 werden wahrscheinlich nur die wenigsten Anleger mit ihren Wertpapieren eine positive Rendite erzielt haben. Wer hingegen Gold in seinem Depot hielt, durfte sich erneut an einer fast zweistelligen Rendite erfreuen.

Devisenkurse

Seit dem 6.09.2011 toleriert die Nationalbank keinen EUR-CHF-Kurs unter dem Mindestkurs von 1.20:


Quelle: SF1 Tagesschau vom 6.09.2011 – Mindestkurs zu Euro gesetzt

Japan ist und bleibt ein Phänomen, trotz dem Tōhoku-Erdbeben und der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 legte die japanische Währung gegenüber den anderen wichtigen Währungen zu:

Währungspaar Wechselkurs 31.12.2011 Kursänderung im 2011
EUR/CHF 1.2174 -2.39%
USD/CHF 0.9392 0.79%
JPY/CHF 1.2216 6.07%

Staatsanleihen

Einige Länder mussten im 2011 tiefer in ihre Taschen greifen, um die Refinanzierung ihrer Schulden zu gewährleisten:

Quelle: Staatsanleihen, Laufzeit 10 Jahre – Master in Finance vom 31.12.2011
Griechenland kann ausgeklammert werden, zurzeit wird noch immer über die Höhe des Schuldenschnitts diskutiert, daher der hohe Zins. Portugal musste im 2011 eine Milliardenhilfe der EU beanspruchen und Italien war gegen Ende 2011 in das Kreuzfeuer der Finanzmärkte geraten. Seit Jahresanfang hat sich die Situation für Italien verbessert – heute muss sie weniger als 5.5% Zins für eine zehnjährige Staatsanleihe zahlen.

UK und USA vernichten die Geldvermögen über Inflation

Die realen Zinsen auf Staatsanleihen dieser beiden Länder sind negativ auch bei langen Laufzeiten. Damit haben die Bank of England und die US-Fed die freie Preisbildung ausser Kraft gesetzt:

Quelle: Economics.HELP
Während wenigstens die Britten mit harten Sparmassnahmen an ihrer desolaten Haushaltssituation arbeiten, verschieben die USA ihre Probleme in die Zukunft.

Die Edelmetalle Gold und Silber

Silber war auch im 2011 für den Anleger mit starken Nerven. Auch Gold hatte einige Kurssprünge zu verzeichnen, verglichen mit der Volatilität des Silberkurses war diese geradezu ein “langweiliges” Investment:
Gold- und Silberrendite im 2011

ETF Preis 31.12.2011 Performance 2011
ZKB Gold ETF CHF 463.56 9.98%
ZKB Silber ETF CHF 2489.83 -10.24%

Aktien

Ich gratuliere den Anlegern, die im 2011 eine positive Rendite mit Aktien vorweisen können. Mit meiner passiven und am Index orientierten Strategie gab es ein Minus.

Index Punktestand 31.12.2011 Performance 2011
S&P 500 1257.60 -0.02%
Dow Jones 12217.56 5.60%
NASDAQ 2605.15 -2.17%
DJStoxx 600 244.54 -8.00%
Dax 30 5898.35 -14.69%
FTSE 100 5572.28 -1.54%
SMI 5936.23 -7.77%
SPI 5343.52 -7.72%
MSCI Emerging Markets 916.39 -20.41%

Funds of Hedge Funds

Gemäss der Performance-Liste Dezember 2011 von hedgegate erzielte keiner der in der Schweiz zugelassene Funds of Hedge-Funds (FoHF) eine positive Rendite. Der beste Dachfonds erzielte einen Verlust von 1.17% und der schlechteste von über 22%. Für den “normalen” Privatanleger war diese alternative Anlageklasse einmal mehr nicht gewinnbringend.

Prognosemüll von Ende 2010 und Anfangs 2011

Es erstaunt nicht, dass einmal mehr die Finanzexperten die Entwicklung der Schuldenkrise aus deren Auswirkungen auf die Indizes nicht vorhersehen konnten. Die Vorhersagen dieser Experten bewegen sich wiederholt auf dem Niveau der Horoskope in den Zeitschriften. Solange es in diesem Prophetengeschäft keine Qualitätskontrolle gibt, wir dieser Schwachsinn weiter durch unsere Medien in die Welt getragen.

Übrigens tue ich mir dieses Gequatsche nur an, im Glauben, dass ich wenigstens einige Leser dieses Blogs von der Unbrauchbarkeit dieses Prognosemülls überzeugen kann.

Marco Illy, Chef Investment Bank Schweiz, Credit Suisse

Prognostizierte eine Zunahme der Renditen im zweistelligen Bereich:


Quelle: Cash vom 9.12.2010, Marco Illy – Aktien legen 2011 zweistellig zu

Christian Gattiker, Julius Bär

Prognostizierte einen Punktestand des SMI von über 7000:


Quelle: NZZ Impulse vom 4.01.2011, Christian Gattiker – Was bringt uns das Börsenjahr 2011?

Jan Poser, Sarasin-Chefökonom

Prognostizierte einen Punktestand des SMI von 7300:


Quelle: SF Börse vom 6.01.2011, Jan Poser – US-Daten beeinflussen Schweizer Aktienmarkt

Burkhard Varnholt, Anlagechef Bank Sarasin

Die folgende Fehleinschätzung durch Burkhard Varnholt wurde der Sonntagszeitung vom 2.01.2011 entnommen:
Burkhard Varnholt, Prognose 2011 für USD

Was heisst das für den Dollar?
Die Währung wind sich erstaunlich stark entwickeln. Der Dollar dürfte zum Franken wieder bis auf 1.10 steigen.

Wie werden sich Aktien als Anlageklasse entwickeln?
Aktien werden nach einer Korrektur in der ersten Jahreshälfte mit einem deutlichen zweistelligen Plus abschliessen.

Wie stark wird die Korrektur?
5 bis 10 Prozent sind durchaus möglich.

Wo wird der Schweizer Leitindex SMI Ende Jahr liegen?
Ich rechne mit einem Wert von 7400, 7500 Punkten. Das klingt nach viel, ist aber konsistent mit der hohen Volatilität, die wir derzeit im Markt haben.

Prognosen ab Mitte 2011

Die Bank Vontobel, Sarasin und Julius Bär konnten sich zu neuen SMI-Zielen nicht äussern. „In der aktuellen Marktphase machen Prognosen keinen Sinn. Wir publizieren deshalb kein Jahresendziel“, sagte Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei Vontobel. Sarasin-Chefökonom Jan Poser kam erst gerade aus den Ferien zurück und teilte mit, dass Sarasin die Prognosen erst kommende Woche revidiere. Auch Julius Bär wird erst demnächst ihre Ziele überarbeiten.
Quelle: Cash 11.08.2011, SMI: Banken revidieren Jahresendziele deutlich

Auch beim Dax waren die Vorhersagen miserabel, siehe “Weit daneben ist auch vorbei“.

Fazit

Die grossen Zentralbanken haben den weltweiten Absturz der Weltwirtschaft nochmals in die Zukunft verschieben können. Doch der Preis dafür wird immer höher – die quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die Bank von England, die US-Fed, die Bank von Japan und nun auch die EZB drücken die Zinsen in einigen Ländern unter die Inflationsrate. Dass der Dow Jones und der britische FTSE 100 mit einer positiven bzw. nur leicht negativen Rendite das Jahr 2011 abschlossen, begründet sich sicherlich grösstenteils mit der Geldpolitik ihrer Zentralbanken.

Ich kann ein ähnliches Fazit wie im 2010 schreiben. Rückblickend waren die Jahresprognosen der schweizerischen Aktienexperten für das 2011 ein absolutes Desaster. Sie prognostizierten für den SMI einen Punktestand zwischen 6800 bis 7400.

Für das Jahr 2012 waren die Aktienpropheten um Jahreswende mehrheitlich skeptisch. Somit besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass 2012 ein gutes Aktienjahr werden wird.

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Fast täglich wird in den Medien das Problem des starken Frankens diskutiert. Scheinbar ist es der so “unabhängigen” Schweiz nicht möglich ohne längerfristige unvorhersehbare Nebenwirkungen den Anstieg ihrer Währung zu bremsen.

Die Eurokrise ist in Wahrheit auch eine Frankenkrise

Obwohl einige Eurostaaten stark verschuldet sind, hat sich der Euro seit seiner Einführung im Jahre 1999 gegenüber seiner Handelspartner nicht abgeschwächt. Gegenüber dem US-Dollar (USD) und dem britischen Pfund (GBP) hat der EUR über 20% zugelegt:

Zudem lag die Verschuldungsquote der Eurostaaten noch vor der Finanzkrise tiefer als bei der Einführung ihrer Gemeinschaftswährung. Die aktuelle Staatsverschuldung der Eurostaaten kann nicht dem Euro angelastet werden.

Quelle: Spiegel 10.08.2011 – Wie bankrott ist die Welt?

Japan hat mit über 200% des BIP die höchste Verschuldung der Industrienationen, trotzdem war der Yen (JPY) seit 1999 eher eine starke Währung. Die Simplifizierung der möglichen kausalen Zusammenhänge zwischen Staatsverschuldung und deren Währungsstärke genügt bestenfalls der Propaganda bestimmter Politiker und Medien. Letztendlich wird der CHF von den Märkten viel zu hoch bewertet. Zudem zeigt diese Schuldenlandkarte, dass es auch etliche industrialisierte Länder gibt, dessen Verschuldung weitaus geringer ausfällt als die der Schweiz.

Grossbritannien (UK) und Spanien im Vergleich

Beider Länder wurden stark von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen. Spanien ist ein Euroland und UK als EU-Land hat noch immer ihre GBP-Währung. Übrigens wurde von den schweizerischen bürgerlichen Parteien noch bis ins Jahr 2003 die Wirtschaftspolitik des UK als vorbildlich für die Schweiz lobgepriesen. Glücklicherweise sind wie diesem “Vorbild” nicht gefolgt. Wie oft von den Politikern und Ökonomen gepriesen, konnte UK ihre eigenständige Währung abwerten lassen. Spanien hingegen kann keine eigene Währungspolitik betreiben und muss mit dem stärkeren EUR gegenüber beispielsweise dem GBP auskommen. Aber seit 2008 sind die spanischen Exporte stärker gestiegen als die im britischen Königreich. Zudem leitet UK unter einer zunehmenden Inflation, während diese in Spanien weitaus geringer ausfällt. Eine eigenständige Währungspolitik ist noch längst kein Garant für den Erfolg!

Politiker und der angeblich wirtschaftliche Erfolg der Schweiz

Was viel mehr stört, ist die gebetsmühlenartige Wiederholung gewisser Parteimitglieder der bürgerlichen Parteien, wie gut die Schweiz durch die Finanzkrise gekommen sei. Dabei sind gewisse Begründungen für den angeblichen Erfolg der schweizerischen Wirtschaft wenigstens amüsant wen auch nicht zutreffend:


Quelle: DRS1, Samstagsrundschau vom 3.09.2011 – Christophe Darbellay, CVP-Parteichef
Gemäss CVP-Parteichef Christophe Darbellay sind Parteikollegin und Bundesrätin Doris Leuthard sowie die Abwesenheit der französischen 35-Stundenwoche die Erfolgsindikatoren unserer Wirtschaft.

Bundesrat Schneider-Ammann kreiert eine positive Korrelation zwischen Personenfreizügigkeit und wirtschaftlichen Erfolg:


Quelle: AZ vom 30.06.2011, Schneider-Ammann

In diesem Beispiel wird durch einen FDP-Politiker ideologisch mit den Vorteilen der Personenfreizügigkeit als Krisenbewältiger geworben. Es ist nicht sicher ob die Finanz- und Wirtschaftskrise beendet ist und anderseits würde beispielsweise ein SVP-Politiker eine andere Ursache für die angeblich bessere Krisenbewältigung der Schweiz ableiten. Herr Blocher beispielsweise sieht den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz in der direkten Demokratie und den “tiefen” Steuern, siehe “Herr Blocher und seine SVP sind einfältig geworden“.

Bundesrat Schneider-Ammann sieht die Frankenkrise auch im Schuldenproblem des europäischen Umfeldes. Anderseits basiere die bessere wirtschaftliche Situation der Schweiz auf dem Konkordanzsystem und dem parteiübergreifende zusammenhalten. Einstehen muss dieser Bundesrat die Machtlosigkeit des eigenen Handelns:


Quelle: DRS1, Samstagrundschau vom 6.8.2011 – Schneider-Ammann: «Keine Negativ-Zinsen»

Mit Pirmin Bischof, Mitglied des Parteipräsidiums und Sprecher für Wirtschafts- und Finanzfragen der CVP Schweiz ist für mich der unumstrittene Sieger von nicht zutreffenden Aussagen zu den Kausalitäten von too big to fail zu Grossbanken bzw. Spekulation zu Frankenstärke:


Quelle: Filippos Politarena vom 24.08.2011 – Pirmin Bischof in Eurokrise und harter Franken – Die Folgen für die Schweiz! Wie sieht die Zukunft aus?

Es ist schon fast bewundernswert, was dieser Politiker in 67 Sekunden für einen Quatsch von sich gibt. Die schweizerische Grossbankenregulierung kann nicht verhindern, dass eine Grossbank in Schieflage gerät und die schweizerische Wirtschaft in den Abgrund reist. Nur wenn Bank geordnet untergehen kann, ist das too big to fail-Problem gelöst. Auch sind es Währungsspekulationen, die den CHF in übertriebene Höhe heben. Die folgende Tabelle konnte ähnlicher Form in den letzten Monaten des Öfteren beobachtet werden:

Quelle: Cash vom 5.09.2011 – CHF SPOT RATES

Alle handelsübliche Währungen verlieren an einem Handelstag gegenüber den CHF. Damit hat sich der CHF gerade für das “Algorithmic Trading” bestens empfohlen. Wahrscheinlich interessieren sich die meisten dieser quantitativ orientierten Händler nicht im geringsten für die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Schweiz. Solange der CHF eine sehr stabile negative bzw. positive Korrelation zu anderen Devisen- und Aktienkurse bzw. Goldpreis aufrechterhält, wird dieser ein Spekulationsobjekt erster Güte bleiben. Es stellt sich die Frage, warum der CHF die Spekulanten und nicht beispielsweise die norwegische Krone (NOK) anzieht.

Herr Beat Wittmann, CEO Dynapartners sieht folgende Gründe für den starken CHF:


Quelle: Bilanz Standpunkte vom 28.08.2011 – “Euro-Krise”: Welche Rezepte braucht es jetzt?

Die wirtschaftlich erfolgreichen Länder im Norden von Europa

Kürzlich machte ich eine Reise durch Deutschland, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark. Finnland, Schweden und Dänemark sind EU-Mitglieder, aber nur Finnland hat den Euro. Norwegen ist ein Mitgliedstaat des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).

Auch die Länder Nordeuropas sind mehrheitlich erfolgreich unterwegs. Solange diese Länder erfolgreich sind, werden die Protagonisten der bürgerlichen bzw. rechtsbürgerlichen Parteien der Schweiz tunlichst vermeiden die Namen dieser Länder in den Mund zu nehmen. Diese Länder belasten ihre Bürger mit mehr Steuern, zudem gibt es weitaus weniger Ungleichheit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung im Vergleich zu der Schweiz. Auch die familienfreundliche Politik hat einen viel höheren Stellenwert in diesen Ländern als in der Schweiz. Ein mehr an Steuern, Gleichheit und Familienpolitik steht natürlich nicht in der politischen Agenda der rechten Parteien.

NOK ist fundamental besser als CHF

Seit 1975 hat Norwegen die höchste Bonitätsnote der Ratingagentur Standard & Poors’s. Zudem besitzen die Norweger einen Staatsfonds der circa USD 600 Milliarden schwer ist. Die Schweiz hat mir ihren zwei Grossbanken ein gigantisches Klumpenrisiko, beträgt doch deren Grösse zum schweizerischen BIP mehr als 300%. Im Currency Outlook unter dem Titel “NOK has beauty, but not everyone sees it” der HSBC Global Research vom July 2011 werden die Vorteile des NOK im Vergleich zum CHF aufgeführt.

Seit Februar 2008 hat die norwegische und schwedische Krone (SEK) kaum gegenüber dem EUR aufgewertet. Es ist ein weiterer Indikator, dass wir eine Frankenkrise und nicht eine Eurokrise haben. Schweden hatte im Jahr 2010 ein Wirtschaftswachstum des realen BIP von 5.7% und damit mehr als das doppelte der Schweiz.

Fazit

Die schweizerischen Politiker können erwartungsgemäss objektiv nicht ergründen, warum die Schweiz besser als die meisten anderen industrialisierten Länder bisher durch die Krise gekommen ist. Fast jedes Parteimitglied sieht die Welt durch seine von der Erziehung und politischen Einstellung geprägtes Weltbild. Wir wählen Menschen in politische Ämter, die nur über eine sehr eingeschränkte Wahrnehmung verfügen. Fakten, die im Widerspruch mit ihrer wirtschaftlichen und politischen Ideologie stehen werden schlichtweg ignoriert. Wer den Erfolg nicht einigermassen plausibel erklären kann, von dem dürfen wir auch keine wirkungsvollen Lösungen in der Krisenbewältigung erwartet werden.

Die Gebetsmühlenartige Wiederholungen der Politiker und Medien von undifferenzierten Zusammenhängen wie beispielsweise Staatsverschuldung und weiche Währung ist mit Japan widerlegt. Auch der oben erwähnte Vergleich UK und Spanien zeigt, das ein Land auch mit einer eigenen Landeswährung nicht automatisch besser aus einer Krise herauskommt. Die Realität ist oftmals komplexer als die Vereinfachungsmechanismen einer politischen Ideologie noch sinnvolle und hilfreiche Modelle erzeugen.

Mir fällt es immer schwerer, diesen von ihren Parteien geistig an der Leine gehaltene Politiker zu wählen. Gewisse Politiker wie beispielsweise Herr Blocher greifen bei der Bekämpfung des überteuerten CHF gar auf Kriegsrhetorik zurück. Scheinbar hat dieser Politiker vergessen, das ein Krieg gegen andere Menschen (Lebewesen) mit Waffen geführt wird. Über dieses Thema habe ich schon in “Der Sinneswandel bei Blocher, Schiltknecht und Weltwoche” geschrieben.

Es gibt verschiedene Gründe für die Überbewertung des CHF. Sicherlich ist der CHF, wie von Herrn Beat Wittmann erwähnt, die traditionelle Fluchtwährung. Anderseits sorgt unser überdimensionierter Finanzplatz, für ein zu viel an Propaganda und Anreize den CHF im Ausland zu kaufen. Der steile Anstieg und damit die Übertreibungen beim CHF können seit Mitte 2010 sicherlich grösstenteils der Spekulation angerechnet werden. Das weniger gut ausgebaute Bankensystem in Norwegen ist wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum der NOK weniger als Spekulationswährung taugt als der CHF.

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Die Medien sind definitiv nicht lernfähig, andernfalls gäbe es diesen Blogeintrag nicht. Noch immer werden diese Leerlaufprognosen der Analysten und Ökonomen durch die Medien verbreitet.

Währungsprognosen sind unseriös

Gemäss Herrn Wellershoff sind Wechselkursprognosen unseriös:


Quelle: SF-Börse vom 4.07.2011 – Klaus Wellershoff, Geschäftsführer Wellershoff & Partners zu Währungsprognosen

Zurzeit kennt der Euro gegenüber dem CHF nur eine Richtung:
EUR/CHF Kurs vom 9.08.2010

Andere Analysten und Ökonomen verbreiten ungehindert ihren Prognosemist über Wechselkurse im Fernsehen:


Quelle: SF-Börse vom 1.07.2011 – Jan Poser, Chef-Ökonom Bank Sarasin zum CHF/EUR Kurs
Ende Mai hatte der EUR einen leichten Anstieg gegenüber dem CHF, wahrscheinlich beruht Jan Poser seine Prognose auf der Fortsetzung dieses Trends. Der Euro drehte wieder in den Abwärtstrend, von den damals angekündigten CHF 1.30 bzw. 1.40 sind wir weit entfernt.

Jan Poser in den Fussstapfen von Mike Shiva

Nicht nur beim CHF/EUR-Kurs liegt Jan Poser richtiggehend daneben, sondern auch bei den Aktienindex SMI.

Wie sich Jan Poser innerhalb von nur 40 Tagen widerspricht

Anfangs Juli 2011 war Jan Poser noch optimistisch für den SMI, er prognostizierte einen Punktestand von 6600 im 3. Quartal 2011:


Quelle: SF-Börse vom 1.07.2011 – Jan Poser zu den Aktien im 3. Quartal

Auch bei dieser Prognose stützt er sich wahrscheinlich auf der Annahme der weiteren Trendfortsetzung – stieg doch der SMI gegen Ende des Juni.

SMI Aktienindex vom 9.02.2011 - 9.08.2011

Weniger als 40 Tagen später, sieht er das 3. Quartal 2011 nicht mehr so rosig:


Quelle: Blick vom 5.08.2011 – Jan Poser

Vielleicht wäre es angebracht, wenn Herr Poser einmal sein unbrauchbares Analysemodell hinterfragen würde oder uns seine unbrauchbaren Prognosen nicht mehr mitteilt.

Fazit

Die Zukunft ist nicht vorhersehbar, viele Ökonomen, Analysten und die Medien haben scheinbar grosse Mühe mit dieser Tatsache. Die von Poser gemachten Prognosen sind typische Beispiele seiner Zunft, der jüngste Trend der Kursentwicklung wird in die Zukunft fortgeschrieben.

Ich kann nur hoffen, das irgendwann sich meine Bemühungen auszahlen werden und die Konsumenten diesen Blödsinn der Kursprognosen nicht mehr erdulden.

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Der Ölpreis der Marke Brent notierte gestern über der Marke von USD 125 pro Fass. Dies ist das höchste Preisniveau seit August 2008. Auch der Silberpreis war seit 1980 mit USD 40 je Feinunze nie mehr so hoch, sicherlich damals musste CHF 1.65 für einen USD bezahlt werden.

Vermehrt wird seit einigen Monaten und auch im Jahre 2008 über den Einfluss der Finanzspekulationen auf die Rohstoffpreise diskutiert. Wobei es wahrscheinlich unbestritten ist, dass der Goldpreis vorwiegend durch die Spekulation getrieben ist. Durch ihre einfache und eher günstige physische Lagerung verhält sich die Preisbildung von Silber ähnlich dem Gold.

Beim Öl ist die physische Lagerung gegenüber den Edelmetallen schon viel teuerer und damit scheinbar weniger attraktiv für Spekulation. Fast unmöglich ist die die längerfristige Lagerhaltung bei vielen Agrarprodukten, sind sie doch verderblich.

Schon nur durch die unterschiedliche Art der Lagerung wird die Verschiedenheit der Rohstoffe erkennbar. Bei Gold und Weizen könnten wir wahrscheinlich nur wenige Gemeinsamkeiten benennen. Aus der Sicht des Investors sind beides Sachwerte. In diesem ersten Beitrag geht es hauptsächlich um die Spekulation mit Edelmetallen und Öl und deren mögliche preistreibende Auswirkungen auf die materiell Ärmsten. Erst im zweiten Teil, werde ich mich des ethisch weitaus heikleren Themas der Spekulation mit Nahrungsmittel heranwagen.

Edelmetalle

Über die Investition in Edelmetalle habe ich schon einiges geschrieben, siehe dazu die Kategorie “Edelmetalle“. Den Aussagen im folgenden Video kann ich mich mehrheitlich anschliessen. Wie Herr Carsten Menke, Rohstoff-Analyst bei Julius Bär im Börsen-Talk betont, wird der Gold- und Silberpreis mehrheitlich durch die Nachfrage der Investoren bestimmt:


Quelle: Börsen-Talk vom 11.03.2011 – Rohstoff-Analyst Carsten Menke und Einschätzung Edelmetalle

In der Schweizer Börse gibt es eine grosse Auswahl von ETFs für Investition in Edelmetalle. Wer diesen Produkten misstraut, kann sich Gold, Silber und Platin auch physisch kaufen.

Öl

Wahrscheinlich glauben viele, der zurzeit hohe Ölpreis sei vorwiegend durch die Unruhen in Nordafrika getrieben. Es gibt aber keine Knappheit beim Öl, die Lager sind gut gefüllt:


Quelle: Monitor Nr. 618 vom 10.03.2011 – Krisengewinner: Wie Ölspekulanten die Sprit-Preise in die Höhe treiben

Carsten Menke führt den hohen Ölpreis auf die geopolitischen Faktoren zurück, anderseits gesteht er ein, dass der aktuelle Ölpreis sich fundamental nicht begründen lässt:


Quelle: Börsen-Talk vom 11.03.2011 – Rohstoff-Analyst Carsten Menke und Einschätzung Öl
Es ist verständlich, dass ein Rohstoff-Analyst die Ursache der hohen Preissteigerung nicht im Zusammenhang mit der Spekulation sieht.

Mit Öl-ETFs am steigenden Ölpreis teilhaben

Im 2008 wollte ich den United States Oil Fund (USO:US/USO) kaufen, dies blieb mir zum Glück verwehrt. Wie schon im Eintrag “Negative Entwicklungen bei ETFs” erwähnt, kann es bei den mit diesen futurebasierten Produkten erhebliche Rollverluste geben. Seit dem 18.06.2010 kann an der Swiss Exchange der UBS-Index Solutions – CMCI Oil ETF (USD) SF-A (OILUSA.SW) gehandelt werden. Dieser ETF auf den UBS Bloomberg CMCI WTI Crude Oil Index wird synthetisch durch den Einsatz von Swaps repliziert. Im Folgenden habe ich USO, OILUSA.SW auf den WTI Cushing Crude Oil Spot (USCRWTI:IND) verglichen. Die ETF weichen stark vom Kassapreis (Spot Price) ab. In den letzten 6 Monaten (8.10.2010 – 7.04.2011) war die Rendite der ETFs mehr als 10% schlechter.

6 Monate Rendite ETF: USO, OILUSA und WTI (7.04.2011)

Auch seit Jahresbeginn bis 7.04.2011 konnten die beiden ETFs nicht im entferntesten mit dem Kassapreis des WTI-Ölpreis mithalten.

Seit Jahresbeginn Rendite ETF: USO, OILUSA und WTI (7.04.2011)

Mit Aktien-ETF am steigenden Ölpreis profitieren

An der NYSE Arca kann der S&P Global Energy Sector Index Fund (IXC) gehandelt werden. Zu den Unternehmen in diesem Index gehören die Ölausrüstungs- und Öldienstleistungsunternehmen, Ölexplorations- und Ölproduktionsunternehmen sowie Ölraffinerien. Zudem zahlen diese Firmen normalerweise relativ hohe Dividende aus, anderseits entstehen dadurch möglicherweise mit der US-Steuerrückerstattung ein administrativer Aufwand.

6 Monate: IXC WTI SPX (7.04.2011)

Im 6-Monatechart ist ersichtlich, dass der IXC teilweise durch den Ölpreis bestimmt wird. Der S&P 500 (SPX) korreliert scheinbar weniger mit dem Ölpreis, zudem hemmt ein schneller Anstieg des Ölpreises mit anschliessendem längerfristigen hohen Preisniveau das Wirtschaftswachstum. Im 5-Jahreschart ist der immense Preisanstieg des Öls im Sommer 2008 erkennbar.

Set 5 Jahren: IXC WTI SPX (7.04.2011)

Ich habe bisher keine glaubwürdige Erklärung für die Ursachen dieses Rekordpreises im 2008 erhalten. Der S&P 500 war zu diesem Zeitpunkt schon längst im Sinkflug. Der IXC stieg hingegen und erreicht sein Allzeithoch am 21.05.2008 kurz vor dem Höchststand des Öls anfangs Juli 2008.

Spekulation und der Ölpreis

Ich werde in diesem Beitrag nur am Rande auf die Verteuerung der Rohstoffe bzw. Öls durch die Spekulation eingehen. Die Bank of Japan streicht in ihrem “Recent Surge in Global Commodity Prices” hervor, dass die spekulative Investition in die Rohstoffe den Preisanstieg verstärkt. Zudem fördert die expansive Geldpolitik der Fed und anderer Zentralbanken den Preisanstieg zusätzlich.

Viele Ökonomen schliessen die Einwirkung der Spekulation aus

Nicht nur Paul Krugman von der Universität Princeton vertritt die These, die Weltförderung des Öls könne nur gelagert oder verbrauchen werden. Wenn die Lagerbestände konstant bleiben und es keine geheimen Öllager gibt, so lande die Produktionsmenge beim Verbraucher. Somit funktioniere auch beim Öl der Preismechanismus von Angebot und Nachfrage. Die Hedgefonds und andere Investoren könnten die Preise auf dem Sportmarkt nicht über die Terminmärkte beeinflussen.

Es gibt heute Hedgefonds die Rohstofflager angelegen:
Emmanuel Fragnière und der Rohstoffhandel


Quelle: DRS1, Trend vom 12.03.2011

Ich habe nicht Ökonomie studiert, trotzdem interessiere ich mich für die Literatur dieses Themas. Wie mehr ich mich für die Funktionsweise der Ökonomie und deren Theorie auseinandersetze, umso mehr halte ich Ökonomie für eine Glaubenstheorie. Ihre Mainstream-Lehrbüchertheorie und die Realität liegen weit auseinander. Wer behauptet, die Preisfindung bei den Rohstoffpreisen finde an den Spekulationsmärkten nur über Angebot und Nachfrage statt, sollte mir erklären, warum innerhalb eines Jahres (2008) beispielsweise der Ölpreis 50% steigen kann um danach 70% zu fallen. Dabei waren die Lagerbestände jederzeit auf einem erträglichen hohen Niveau. Ich habe damals noch des Öfteren auch Bloomberg im Fernsehen geschaut, da wurde das Sinken des Ölpreises einige Male damit begründet, weil ein bestimmter Hurrikan keinen Schaden an der Ölförderung anrichtete, zuvor war der Preis mit der Entstehung des Hurrikans nicht einmal gestiegen. Manchmal ist gesunder Menschenverstand besser als diese Theorien von Adam Smith, Milton Friedman, John Maynard Keynes oder wie sie auch heissen mögen.

Schweiz hat fast nur unkritische Mainstream-Ökonomen

In der deutschsprachigen Schweiz gibt es fast keine Ökonomen, die öffentlich den Finanzplatz kritisieren. Gegenüber den USA haben wir hier in der Schweiz fast nur Mainstream-Ökonomen. Wenn sich ein Ökonom sehr kritisch zum schweizerischen Finanzplatz äussert, ist dies ein meistens ein Ausländer oder ein Schweizer, der schon lange im Ausland lebt. Wahrscheinlich werden die Denkbilder der schweizerischen Ökonomen durch den Finanzplatz bestimmt. Normalerweise gehört Herr Ammann eher zu den noch kritischen Geistern in der Schweiz, umso mehr erstaunt der folgende Artikel in der Sonntagszeitung vom 20.02.2011:

Rohstoffpreise: Spekulanten sind unschuldig
Quelle: PDF, Rohstoffpreise: Spekulanten sind unschuldig (Manuel Ammann), 20.02.2011

Auswirkung des hohen Ölpreises für die Armen

Wen die Marktpreis des Öls steigt, werden die Agrartreibstoffe rentabler. Zudem werden diese von Staaten subventioniert und/oder erhalten von den Steuerbefreiung. Die Kaufkraft der Autobesitzer ist weitaus höher als die der ärmsten Menschen dieser Welt. Statt das die Nahrungskalorien die hungrigsten Bäuche dieser Welt ernähren, landen sie im Tank unserer überdimensionierten und gefrässigen Fahrzeugpark.

Fazit

Mit einem ETF am steigenden Ölpreis partizipieren funktioniert nur teilweise, ein grosser Teil der Rendite bleibt im Schlund der Futuremärkte stecken. Besser funktioniert die Spekulation mit den Edelmetallen, wobei der Silber- und/oder Goldpreis schon einmal korrigieren könnte. Anderseits schwindet das Vertrauen in die ungedeckten Papierwährungen fortwährend und es wird öfters von einer Preisblase bei Gold und Silber gesprochen. Wenn häufig in der Öffentlichkeit von einer Preisblase gesprochen wird, ist es vielleicht gerade keine Blase. Mit meinen erst 5-jährigen Erfahrungen als Privatanleger kann ich das Vorhandensein einer möglichen Preisblase bei den Edelmetallen nicht erkennen. Mit der expansiven US-Geldpolitik und dem monströsen US-Staatsdefizit wird der USD seinen unwiderstehlichen Abstieg gegenüber den anderen Währungen fortsetzen und damit wahrscheinlich die Rohstoffpreise weiter steigen lassen. Wie oben dargestellt, hat der USD gegenüber dem CHF in den letzten 40 Jahren dreiviertel seines Wertes eingebüsst. Die US-Regierung und US-Zentralbank wird diesen Trend kaum stoppen.

Mit der Spekulation auf den Ölpreis nimmt der Investor eventuell negative Folgen für die Ärmsten dieser Welt in Kauf. Anderseits profitieren auch die ärmeren ölexportierenden Staaten vom höheren Ölpreis, leider verschwindet der grösste Teil dieses Profites bei der herrschenden Elite dieser Entwicklungs- und Schwellenländer.

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Sollten wir uns auf die folgende Aussage noch verlassen?


Quelle: SF1 vom 22.12.2010 – Thomas Jordan: “Wir haben eine Verschärfung der Geldpolitik erfahren”
Thomas Jordan, Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) glaubt an den Willen und Fähigkeit der Notenbanken eine Deflation oder Inflation vermeiden zu können. Sie müssten nur zum richtigen Zeitpunkt die Liquidität aus dem System nehmen.

Zentralbank agieren kaum unabhängig der Staatsgewalt

Notenbanken haben mit ihre Bilanzen mit vielen Risiken ausgeweitet. Trotz hoher Buchverluste schüttet die SNB für das 2010 die vorgesehnen CHF 2.5 Milliarden an Bund und Kantone aus.
Kann man noch mit einer unabhängigen Geldpolitik der Zentralbank rechnen?


Quelle: Wegelin und Co – Teil aus Anlagekommentar Nr. 274 vom 24.1.2011

Ich habe grosse Zweifel, dass sich die Notenbanken dem politischen Druck ihrer Staatsmacht entziehen können. Wahrscheinlich werden die Notenbanken entgegen ihrer Aussagen eine Inflation von über 2% zu lassen und dabei die Leitzinse tief halten. Dadurch werden die Sparenden einmal mehr durch ihren Staat enteignet. Die Schweiz wird dabei keine Insel der Glückseligkeit sein, orientiert sich die SNB doch stark an der Europäische Zentralbank (EZB) und Federal Reserve (Fed).

Die Nationalbanken und ihre Chefs irrten sich schon mehrmals

Die grundlegende Zukunft unser Ersparnisse oder auch Schulden wird stark geprägt durch die Handlungsweise der Notenbanken. In der Vergangenheit haben sich die Repräsentanten der Notenbanken schon mehrmals geirrt. Auch diese Damen und Herren können die Zukunft nicht voraussehen, überdies ist ihre Werkzeugkiste an wirkungsvollen und glaubwürdigen Werkzeugen schon ziemlich ausgeplündert.

Die SNB hat die wirtschaftliche Situation auch schon falsch eingeschätzt

Ich habe schon früher von der Fehleinschätzung des ehemalligen SNB-Präsidenten Jean-Piere Roth geschrieben. Dieser attestierte dem Finanzsystem eine blendende Verfassung, dies kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2007.

Auf Grund des Jahresverlust im 2010 von CHF 21 Milliarden steht der aktuelle SNB-Präsident Philipp Hildebrand in der Kritik. Der SVP-Politiker Christoph Blocher forderte gar den Rücktritt von Hildebrand.


Quelle: Teleblocher vom 21.01.2011
Umschritten sind besonders die Interventionen im Frühling 2010, damals kaufte die SNB massiv Euros. Damit konnte die Frankenaufwertung gegenüber dem Euro kurzfristig verzögert werden. Leider sind die Angaben der Devisenkäufe von Herrn Blocher teilweise falsch und übertrieben. Die Aussage, die SNB habe 240 Euro Milliarden und davon 160 Euro Milliarde alleine in den ersten 4 Monaten des 2010 gekaut, ist schlichtweg unredlich. Scheinbar hat dieser nie die Bilanzpositionen der SNB betrachtet, wahrscheinlich zitiert er die Weltwoche. Schon in den vier ersten Monaten des 2010 bekundeten vereinzelte der Exportindustrie ihre Sorge über die Frankenstärke in den Medien.


Im März 2010 stieg der CHF erstmals kräftig gegenüber dem Euro an, mit dem Juni startete die erste “richtige” Auf- bzw. Abstiegswelle. Wobei im Abstieg der Euro nie die vorhergehende Stärke erreichte.

Die beiden SNB-Direktionsmitglieder Hildebrand und Jordan zur Kritik

Herr Hildebrand begründet die EUR-Devisenkäufe auf Grund einer deflationären Entwicklung:

Quelle: SF1 vom 16.12.2010 – Weiterhin billiges Geld für Schweizer Wirtschaft

Thomas Jordan verteidigt die Devisenmarktinterventionen und erklärt die zukünftige Ausschüttungspolitik an den Bund und die Kantone:
Jordan zum SNB-Jahresverlust, der Ausschüttungspolitik und den politischen Forderungen


Quelle: DRS1 vom 14.01.2011 – SNB erwartet Jahresverlust von 21 Milliarden Franken

Ich kann nicht beurteilen, ob die SNB die Situation jederzeit richtig einschätzte. Anderseits wird die SNB nie öffentlich Fehler bezüglich ihrer Devisenkäufe eingestehen.

Die vielleicht unfairen Kritiker der SNB

Nebst Christoph Blocher kritisierte auch der Novartis-Präsident Daniel Vasella die Nationalbank für ihre Euro-Devisenkäufe. Es sei dahingestellt, wie viel diese zwei Herren von der Geldpolitik verstehen. Vielleicht wäre es angebracht, dass diese bei der Nationalbank vorbeischauen und sich deren Arbeit erklären liessen. Aus “Ziele und Aufgaben der Schweizerischen Nationalbank” kann entnommen werden, dass die SNB der konjunkturellen Entwicklung auch Rechnung tragen sollte. Somit kann ein privatwirtschaftliches auf Gewinn getrimmtes Unternehmen nicht mit einem Monopol des Gelddrucken, d.h. einer Notenbank verglichen werden.

Die politisch motivierte Kritik des Christoph Blochers

Im Nachhinein ist es einfach, die Nationalbank zu kritisieren. Wäre diese Kritik im Frühling bzw. Sommer 2010 erfolgt und nicht erst seit zirka einem Monat, würde ich Herrn Blocher nicht politisches Kalkül unterstellen. Herr Blocher hat seine Abwahl vom Bundesrat nicht überwunden. Mit dem Departementswechsel von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ins Finanzdepartement, wird Herr Blocher und seine SVP vermehrt die Amtsführung von Widmer-Schlumpf beanstanden.

Teleblocher wiederholt gebetsmühlenartig dieselben Botschaften; ziemlich langweilige Sendung! Aus den obrigen Videoausschnitt folgte eine Woche die wiederholte Kritik an Herrn Hildebrand durch SVP-Übervater Blocher. Dabei sind die Devisenkäufe des Euros nur „noch“ EUR 150 Milliarden. Neu ist die Unterstellung von Herrn Blocher, dass Herr Hildebrand den Euro retten wollte. Eine solche kühne Behauptung werden hoffentlich nicht mal seine grössten Anhänger ohne Zweifel bejahen.


Quelle: Teleblocher vom 28.01.2011
Im Oktober 2011 wird das Parlament neu gewählt. Christoph Blocher agiert als Wahlstimmenfänger für seine SVP, dabei agiert er unzimperlich bezüglich gewissen Institutionen wie der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) und der SNB. Dabei unterschlägt er Fakten und verdreht das Offensichtliche in seine “Wahrheit”, ich habe darüber schon in “Neulich kreierte sich die SVP mit der SRG einen Scheinfeind” und “Herr Blocher und seine SVP sind einfältig geworden” geschrieben.

Swissmem beurteilt Devisenmarktinterventionen positiv

Wie den aktuellsten Zahlen der Nationalbank Statistik entnommen werden kann, muss die Schweizerische Nationalbank (SNB) offensichtlich sehr starke Devisenmarktinterventionen vorgenommen haben, denn die Euro-Bestände der SNB haben per Ende März 2010 einen Höchststand erreicht. Man kann davon ausgehen, dass ohne diese Interventionen die Aufwertung des Schweizer Frankens noch viel stärker ausgefallen wäre. Diese Devisenmarktinterventionen, die unserer Industrie zweifellos nützen, haben aber auch eine Kehrseite, weil dadurch der Ausstieg aus der bisherigen expansiven Geldpolitik verzögert wird.

Quelle: Ausschnitt aus Network 02/2010, Seite 5

Dauerklage der Schweizer Exportwirtschaft über starken Schweizer Franken

Schon im Februar 2010 wurde die unangenehme Wechselkursproblematik für die Exportindustrie in den Zeitungen thematisiert. Beispielsweise in einem Artikel “Intervention gegen Franken-Aufwertung” der NZZ Online. Sehr aktiv im Bejammern der Frankenstärke war der heutige Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Ab Anfang Mai 2010 wurde fast monatlich der starke Franken für die Exportwirtschaft von damaligen swissmem Präsident Schneider-Ammann beklagt:
1 Euro kostet nur noch 1.40 Franken


Quelle: DRS1 vom 6.05.2010 – 1 Euro kostet nur noch 1.40 Franken
Vielleicht veranlassten solche übertriebene Aussagen die SNB zu den massiven EURO-Devisenkäufen im Mai 2010.

Widersprüchliches vom Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke

Ich habe schon frühere im Eintrag “Wie ein Notenbanker die Situation falsch einschätzte” über die Fehleinschätzungen von Ben Bernanke geschrieben.
Wenn sich Bernanke selbst widerspricht:

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
The Big Bank Theory
www.thedailyshow.com
Daily Show Full Episodes Political Humor & Satire Blog</a> The Daily Show on Facebook

Der US-Fernsehkomödiant von Jon Stewart zeigte neulich zwei Interviews mit Ben Bernanke. Im ersten Interview vom 15.03.2009 spricht er vom Gelddrucken, im zweiten Interview vom 5.12.2010 verneint er das Gelddrucken.

Oftmals wenig Transparenz bei den Zentralbanken

Die Notenbanken haben sich nicht der Transparenz verschrieben, vielleicht muss dies zum Teil auch so sein, andernfalls würden sie für die Finanzmärkte noch berechenbarer. Beispielsweise rechnen die Aktienbesitzer in “Im Dunkeln der Finanzmärkte – Teil 2” erwähnt mit der Wiederholung des Greenspan-Put durch die US-Notenbank.

SNB und die UBS-Rettung

Die SNB muss nicht öffentlich im Detail vorlegen, welche “toxischen” Wertpapiere von der UBS in den Stab Fund übernommen wurden. Einen solche Einblicke will die SNB den anderen Marktteilnehmer nicht gewähren, es könnten sonst Nachteile im Handel mit diesen Wertpapieren entstehen.

Offenlegung der Bailout-Informationen durch die Fed

Die Fed wurde vom Kongress gezwungen, die über 21‘000 Transaktionen zwischen Dezember 2007 und Juli 2010 öffentlich zu machen. Am 1. Dezember 2010 wurden die detaillierten Daten der Liquiditäts- und Kreditmassnahmen zur Rettung des Finanzsystems im Nachgang der Subprime-Krise öffentlich.


Quelle: 20 Minuten Online vom 10.12.2010 – Geheimdeal mit den USA rettete die UBS

Hätte die UBS ohne die Hilfe durch die Fed überlebt?

Die USB hat im Programm mit dem Namen “Commercial Paper Funding Facility” mit USD 74.5 Milliarden Dollar laut Bloomberg sogar doppelt soviel Geld erhalten, wie die US-Bank Citigroup. Die Zahlen müssen laut der UBS allerdings insofern relativiert werden, da sie Doppelzählungen durch erneuerte bestehende Geschäfte enthalten, somit waren nie mehr als zirka 37 Milliarden ausgelehnt.

Zirka 2 Wochen nach der Rettung der UBS in der Schweiz, konnte bzw. musste die UBS ihre illiquide gewordenen Commercial Papers gegen Geld bei der Fed einlösen. Am 28.10.2008 waren es USD 7.9 Milliarden, am Tag danach 9.9 Milliarden, am 30.10.2010 11.9 Milliarden und am letzten Oktober-Tag zirka 7.4 Milliarden. Die Kunden zogen massenhaft ihre Gelder von der UBS ab und das Interbankengeschäft war zum Erliegen gekommen.

Hätte die UBS ohne diese Liquiditätsspritzen der Fed den Konkurs abwenden können? Diese Frage wurde seit der Fed-Bekanntgabe ihrer Nothilfekredite nie in der Schweiz thematisiert. Auch in einer direkten Demokratie werden einige heikle Themen nicht öffentlich diskutiert.

Trade and settlement date Maturity date Commercial paper purchased Discount rate Total discount rate + Credit enhancement
surcharge
Issuer name
28.10.2008 26.01.2009 7’942.2 1.87 2.87 UBS FINANCE DELAWARE LLC
29.10.2008 27.01.2009 9’929.0 1.84 2.84 UBS FINANCE DELAWARE LLC
30.10.2008 28.01.2009 11’917.8 1.71 2.71 UBS FINANCE DELAWARE LLC
31.10.2008 29.01.2009 5’961.0 1.59 2.59 UBS FINANCE DELAWARE LLC
31.10.2008 29.01.2009 1’490.3 1.60 2.60 UBS AMERICAS INC
26.01.2009 27.04.2009 4’971.7 1.24 2.24 UBS FINANCE DELAWARE LLC
27.01.2009 27.04.2009 4’972.0 1.24 2.24 UBS FINANCE DELAWARE LLC
28.01.2009 28.04.2009 5’469.5 1.21 2.21 UBS FINANCE DELAWARE LLC
29.01.2009 29.04.2009 9’944.5 1.22 2.22 UBS FINANCE DELAWARE LLC
30.01.2009 30.04.2009 10’441.5 1.21 2.21 UBS FINANCE DELAWARE LLC
30.01.2009 30.04.2009 1’491.6 1.23 2.23 UBS AMERICAS INC

Fazit

Viele Zentralbanken haben ihre Bilanzsumme seit 2009 stark ausgeweitet, die SNB mit rund CHF 300 Milliarden knapp auf das Dreifache [1]. In vielen diesen aufgeblasenen Bilanzen haben sich erhebliche Risiken angesammelt, bei der SNB sind dies beispielsweise die hohen Bestände an Devisenanlagen. Wie im Anlagekommentar von Wegelin und Co erwähnt, könnte sich eine Zinserhöhung negativ in den Bilanzen der Zentralbanken niederschlagen.

Die Zentralbanken unterliegen Zielkonflikten, die durch die Rettung des Finanzsystems nicht minder geworden sind. Bei der SNB sind es die traditionelle Ausschüttung der Milliarden an den Bund und die Kantone und bei der Fed ist es die gleichzeitige Bekämpfung der Inflation und Arbeitslosigkeit, wobei der zweite Zielkonflikt von den Ökonomen mehrheitlich bestritten wird.

In der Vergangenheit gab es Staatsbankrotte, Währungsreformen, hohe Inflation usw. auch in der Zukunft sollten wir solche Ereignisse für die industrialisierte Welt nicht ausschliessen. Vieles im jetzigen Finanzsystem liegt im Argen. Es ist fraglich, ob den Zentralbanken daraus für den Bürger “schmerzfreien Befreiungsschlag” gelingen wird.

Links:

[1] Die Schweizerische Nationalbank und die Finanzkrise – Club of Rome Forum

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