Es mag Sie erstaunen, dass einer aus der Gruppe der doch so “asozialen” Informatiker das Verhalten der Banken/Finanzintermediäre kritisiert. Was ich teilweise an den Finanzmärkten beobachten muss, ist das pure Gegenteil, was sich beispielsweise mit Open Source in der Informatik abspielt – scheinbar verhält sich die Informatikergilde viel weniger asozial als die professionellen Partizipanten der Finanzmärkte.
Ein anders Beispiel des unentgeltlichen arbeiten, ist die Erfolgsgeschichte von Wikipedia. Scheinbar finden Menschen ausserhalb der Finanzindustrie auch unentgeltlich eine Befriedigung in ihrer Arbeit.
Finanzindustrie und Informationsasymmetrie
Obwohl meiner nur etwas mehr als 4 Jahren Erfahrung in denen ich nur gelegentlich ein Wertpapier handle, sind mir die Benachteiligungen der Privatanleger und teilweise auch der institutionellen Investoren an diesen Markt offensichtlich geworden.
Die Finanzindustrie hat ihren öffentlichen Informationszugang soweit optimiert, damit wir der Überzeugung unterliegen, dieses Marktspiel erfolgreich für uns beschreiten zu können. Beispielsweise werden die Renditen eines Produktes immer in den Vordergrund gerückt und die Risiken erscheinen nur noch im Kleingedruckten. Alle Produkte haben immer ein auf Berechnung basierendes quantitatives Risiko, oftmals werden diese bei bestimmten Produkten nur teilweise oder überhaupt nicht ausgewiesen. Nicht nur die Bilanzen der meisten Banken sind eine Blackbox auch eine grosse Anzahl ihrer angebotenen Produkte verunmöglichen den fairen Wettbewerb. Die Banken/Hedge-Funds nutzen geschickt diese Informationsasymmetrie zu ihren Gunsten, darüber werde ich im zweiten Teil berichten.
Wer sind diese professionellen Marktakteure der Finanzmärkte
Ich sitze hinter dem Computerbildschirm und gebe meinen Kauf- oder Verkaufsauftrag ein, dabei habe ich nur eine geringe Vermutung, wer die Gegenseite sein könnte. Mich würde interessieren, wer die Hauptakteure an den Finanzmärkten sind, an denen sich auch die Privatanleger tummeln. Leider hüllt sich die Finanzbranche einmal mehr in Schweigen. Die Banken können es nicht sein, diese wickeln gemäss ihren Angaben fast nur Kundenaufträge ab. Es müssten daher die Hedge-Fonds und institutionellen Investoren sein?
Parketthandel oder wo für das Geld noch gearbeitet wird?
Sicherlich ist der aktuelle NYSE-Parkett-Handel nicht repräsentativ für den heutigen technischen hochgerüsteten Aktienhandel. Mit dieser Art des idealisierten, historischen Handels will die Finanzindustrie wahrscheinlich den menschlichen Instinkt ansprechen. Es wäre ziemlich unschön, wenn die Reporter aus einem NYSE-Computerraum das Börsengeschehen kommentieren müssten – ist doch am Äussern des Computers die Hektik des Handels nicht sichtbar. Die Höhe der Volatilität der Aktienkurse bestimmt Gehgeschwindigkeit der Händler und hinterlässt den trügerischen Eindruck, dass dort für das Geld noch richtige und wichtige Arbeit geleistet wird.
Doch das Floor Trading wird sich in den nächsten Jahren erneuern, siehe “Next Generation Floor Phase I“, wobei dies mit traditionellen Floor Trading nichts mehr zu tun hat.
Wer die Marktakteure immer weniger sind
Wie die Computer die Parketthändler der Chicago-Futurbörse verdrängen:
Quants: The Alchemists of Wall Street (Marije Meerman, VPRO Backlight 2010)
Die Quants sind Realität der Finanzmärkte und nicht der idealisierte Parketthandel der NYSE, dieser Film ist sehr sehenswert:
Dieser Blog hatte in letzter Zeit einige längere Sendepausen, dies wird auch in der Zukunft nicht anders sein. Über das Rauschen an den Finanzmärkten oder das nebensächliche Geschehen an der Wirtschaftsfront zu berichten ist nicht das Ziel dieses Blogs, die Verbreitung oder Interpretation solcher Nebensächlichkeiten überlasse ich den “besseren” Schreibern. Zudem macht es kaum Sinn, dass sich ein langfristig orientierter Privatanleger mit irgendwelchen Transaktionen auf das Ab und Auf von wenigen Prozenten an den Aktienbörsen reagiert, so hatte auch ich in den letzten zwei Monaten keine Wertschriftentransaktion durchgeführt.
Ich den letzten paar Wochen war ich in zwei PIIGS-Staaten unterwegs und habe dabei die Finanzmärkte teilweise notgedrungen bzw. letztendlich glücklicherweise kaum beachtet, siehe dazu “6 Wochen unterwegs in Spanien und Portugal“. Natürlich habe ich die zunehmende Schwäche des Euros gegenüber den CHF wahrgenommen und auch das Vorübergehende erstarken des USD.
Über Portugal und Spanien werde ich in diesem Beitrag nicht schreiben, vielmehr geht es einmal mehr um den Informationscrash, langfristige Ziele und um eine verpasste Chance.
Medien fördern den Informationscrash
Die Medien werden auf Grund ihrer Nachrichtengier manipuliert
Ich bin erstaunt, dass sich die Medien der Kontinentaleuropäer so stark auf die in der USA und London produzierte negative Euro-Propaganda einlässt. Damit versuchen wahrscheinlich die US-Amerikaner und Briten von ihren noch grösseren Problemen abzulecken. Immer wieder die Debatte über die Staatsverschuldung von Griechenland in den Medien zu wälzen, lenkt nur von den wahren Problemen ab. Der mögliche griechische Zahlungsausfall ist mit dem europäischen Rettungspaket auf mehrere Monate oder gar Jahre hinausgeschoben, wie auch andere globale Probleme der Finanzwirtschaft vertagt wurden.
Natürlich wird die Volatilität beispielsweise einer griechischen Anleihe an den Finanzmärkten von den Finanzunternehmen begrüsst, lässt sich doch damit sehr viel Geld an den Derivatenmärkten verdienen. Die informationsgierigen Medien lassen sich gerne für die Verbreitung dieses künstlich produzierten Nachrichtenlärms missbrauchen.
Die Bedeutung der Aktienbörse wird überbewertet
Leider fördern die Medien mit ihrer Berichterstattung, dass der Produktionsfaktor Kapital noch mehr gegenüber dem Produktionsfaktor Arbeit Gewichtung erhält. Dem Menschen den Glauben zu geben, mit Geld sei mehr Geld zu gewinnen als mit Arbeit zu verdienen, fördert nur die Spekulation in einem Nullsummen ähnlichen Spiel.
Rückkoppelung der guten Stimmung an den Aktienbörsen
Viele Wirtschaftssubjekte verwechseln die Aktienbörse mit der realen Wirtschaft. Auch wenn die Aktienkurse stark angestiegen sind, heisst dies nicht, dass die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise überwunden ist. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass die Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung allzu sehr an den Indizes der Aktienbörsen hängen. Gerade die Medien verbreitet bei fallenden Kursen eher negative Wirtschaftsnachrichten und bei steigenden die positiven Konjunkturdaten.
Ab Mai 2010 sanken die Aktienkurse
Scheinbar befürchten einige Finanzexperten ein Abflauen des Wirtschaftsaufschwungs und schon zeigten die Aktienkurse nach unten oder war es umgekehrt? Die Aktienkurse gingen nach unten und die Ökonomen suchten nach Erklärungen?
Das Handeln der Notenbanken teilweise auch getrieben von den Aktienmärkten
Seit Januar 2008 besteht bei mir der Eindruck, dass die Zentralbanken und die Regierungen zu getriebenen der Aktienkurse geworden sind. Für damalige Verhältnisse gaben die Aktienkurse sehr schnell nach, was das Fed am 22.01.2008 bewog, die Federal Funds Rate ausserordentlich um 75 Basispunkte zu senken.
Fernsehen und Radio reduzieren die Finanzmärkte auf Aktien und Währungen
Einige Medien reduzieren die Finanzmärkte auf Aktien und Währungen. Beispielsweise musste ich am zweiten Tag nach dem Euro-Rettungspaket am 11.05.2010 in der Sendung “Echo der Zeit” folgendes hören:
Eines der Hauptziele des EU-Rettungspaketes ist die Reduzierung der hohen Risikoaufschläge für Staatsanleihen einiger Euroländer. Auch am zweiten Handelstag nach dem Euro-Rettungspaket sanken die Risikoaufschläge für griechische und portugiesische Staatsanleihen. Damit bewies die Sendung “Echo der Zeit” ihre Unfähigkeit die Fakten richtig zu werten – es gibt noch anderes als Währungen und Aktienkurse!
Andauernd die Beliebtheit von Politikern zu messen ist eine grosse Dummheit
Allzu oft wird die Beliebtheit von Politikern in Umfragen durch die Medien ermittelt. Wenn die Politiker ihre Politik nur noch nach der Skala ihrer Beliebtheit ausrichten, wird das kurzfristige Denken noch mehr dominieren. Es ist nicht möglich, dass beispielsweise die positiven Resultate der Umsetzung einer neuen US-Gesundheitsreform von heute auf morgen sichtbar werden. Für die Lebensqualität längefristig zu erhalten bzw. gar zu steigern, muss die Politik auch von gewissen Bevölkerungsgruppen vorübergehen Opfer abverlangen können, dies kann natürlich Wählerstimmen kosten. Vielleicht müsste eine Amtszeit eines US-Präsidenten gar auf 6 Jahre ausgeweitet werden, damit wäre es eher möglich, dessen Regierungsarbeit richtig zu werten.
Medien wollen sofort den wirtschaftlichen Schaden quantifiziert haben
Die Medien sind mitschuldige der finanzgetriebenen Politik. Sofort nach einer Katastrophe sind die Medien gierig nach der Bezifferung der Schadenssumme, obwohl diese in den meisten Fällen zweitrangig zu behandeln wäre. Hierzu zwei aktuelle Beispiele:
Schon kurz nachdem die Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Meer versank und auslaufendes Öl entdeckt
wurde, hatten die die Medien schon die möglichen Kosten für BP herumgereicht. Dass die ökologischen Folgen nicht mit Geldmitteln zu tilgen sind, scheint den Medien vorerst nur nebensächlich zu sein.
Als der Gletschervulkan Eyjafjalla auf Island den grössten Teil des Flugverkehrs in Europa lahmlegte, wurden die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von den Medien in den Vordergrund gerückt, dabei wurde die Sicherheit des Flugverkehrs zu einem zweitrangigen Thema degradiert.
Menschheit braucht langfristige Ziele
Leider ist unsere Gesellschaft vorwiegend nur noch von kurzfristigen Gewinnen getrieben, dies zerstört teilweise notwendige Reformen. Anderseits gäbe es mehr als genügend reiche Menschen, die Investitionen für die Lösung der wichtigsten Probleme unsers Heimatplaneten tätigen könnten.
In der Vergangenheit gab es realistische Visionäre
Herren wie Franklin Delano Roosevelt und George Marshall hatten noch Visionen, die mit dem New Deal bzw. Marshallplan auch erfolgreich umgesetzt wurden. Politiker mit dem Motto “Nach der Wahl ist vor der Wahl”, werden nie einen solchen Dienst an der Menschheit erbringen können. Anderseits, ein Jahrzehnt nach dessen Amtszeit, wird kaum ein Bürger sich an die positiven Leistungen eines solchen Politikers erinnern.
Kaum internationales Vorgehen
Die Klimapolitik, die Regulierung der Finanzmärkte wie auch die Bekämpfung des Terrorismus müsste international abgestimmt erfolgen. Viele globale Probleme können nicht national gelöst werden. Beispielsweise werden Unternehmen und nicht nur Finanzunternehmen immer dort abwandern, wo sie sich die grössten Profite erarbeiten können. Doch die Staaten betreiben noch immer pure Interessenpolitik und stellen ihre ökonomischen Probleme in den Vordergrund, damit sind globale Lösungen eher die Ausnahme als die Regel. Natürlich ist der Wohlstand in der Welt noch immer sehr schlecht verteilt und in einem Land wie beispielsweise Indien wird die Ernährung der eigenen Bevölkerung höhere gewichten als Klimapolitik, umso mehr sind die Industrieländer gefordert, die Vorreiterposition zu übernehmen.
Kopenhagen die verpasste Chance
Es genügt ein gesunder Menschenverstand, um zu erkennen, dass wir die Umweltprobleme sehr intensiv angehen sollten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Szenarien der Klimatologen die zukünftige Realität abbilden. Auch wenn unter den Wissenschaftler ein hoher Konsens bezüglich Klimamodell besteht, bin ich gar überzeugt, dass unsere Wissen über die Gesetzmässigkeiten des Klimas noch nicht ausreichen, um ein Modell von nichtlinearen Rückkoppelungen ohne hohe Fehlerquote zu implementieren.
Wir Erdlinge sind Teilnehmer in einem riesigen Experiment, deren Ausgang sehr ungewiss ist. Wäre es nicht an der Zeit einen ökologischen Boom auszulösen, statt mit dem Risiko zu leben, dass die Menschheit in einigen wenigen Generationen einer möglichen ökologischen Katastrophe machtlos gegenübersteht.
BIP die falsche Masseinheit für die Messung der Lebensqualität
Oft wird das BIP als Indikator für die Lebensqualität in einem Land missbraucht. Im BIP werden alle Transaktionen als positiv bilanziert, beispielsweise auch Umweltkatastrophen. Es wäre schön, wenn dieser Indikator an Bedeutung verlieren würde und stattdessen ein Indikator der die nachhaltige Entwicklung, den Ressourcenumgang usw. an dessen Stelle als Lebensqualitätsmesser treten würde. Zur Lebensqualität gehören auch, der Zugang zu einer guten Ausbildung, funktionierende Infrastruktur und soziale Stabilität.
Industriestaaten sollten sich der ökologischen Herausforderungen annehmen
In der aktuellen Krise ist die Arbeitslosigkeit in vielen Industrieländern wie beispielsweise den USA stark angestiegen. Es ist naiv zu hoffen, dass die Schwellenländer wie China, Indien usw. für das nötige Wachstum sorgen, damit in gewissen Industrieländern die Arbeitslosenrate auf das Niveau vor der Krise sinkt. Das BIP und die Lebensqualität können in den Schwellenländern auch ohne die grosse Hilfe der Industriestaaten noch stark gesteigert werden, anders ist die Situation in den westlichen Industriestaaten. Die westlichen Mächtigen glauben noch immer an das ewige Wirtschaftswachstum – der Bürger müsse nur wieder konsumieren, notfalls finanziert mit Krediten. Obwohl die Geldguthaben während der Krise nicht einfach verschwanden, sowenig wie die Schulden, hat sich die Umverteilung während der Krise zu Gunsten der Reichen fortgesetzt, beispielsweise haben in den USA die untersten 40% Einkommensbezieher weniger als 1% des Volksvermögens.
Noch immer sucht viel vagabundierendes Kapital der wohlhabenden westlichen Gesellschaft nach neuen Investitionsmöglichkeiten. Damit ist der “Treibstoff” für den einen nachhaltigen Boom vorhanden und damit meine ich nicht eine weitere Spekulationsblase basierend auf steigenden Hauspreisen und undurchsichtige innovative Finanzprodukte. Die Transformation zu einer nachhaltigen Ökonomie ist eine Chance für die Industriestaaten, leider wollen viele Investoren, Firmenmanager und Politiker sich dieser Herausforderung noch nicht stellen.
Unterentwickeltes Umweltbewusstsein in den Industriestaaten
Vor einigen Tagen sah ich folgendes beim TV-Sender RTL:
Wir aus den Industriestaaten sind unglaubwürdig gegenüber der restlichen Welt, solange unsere Individuen als Zeitvertreib schnell für 48 Stunden in einer Aluminiumröhre von Frankfurt nach Tokio fliegen und dabei mehr als 600 Liter Flugbenzin verbrennen. Ich betrachte ein solches Verhalten als nicht zeitgemäss und als Diebstahl an den nachfolgenden Generationen. Die Menschen in diesem Video verurteil ich nicht, im Allgemeinen haben wir in den Industriestaaten noch immer ein unterentwickeltes Umweltbewusstsein. Auch die hundert grössten Konzerne der Welt sind nicht besser – haben doch nur deren zwei, den Erhalt des Ökosystems als strategisches Ziel.
Jahrelanges Desinteresse der Autokonzerne bei der Entwicklung sparsamer Autos
Vor zirka 5 Monaten war ich auf der Suche nach einem weniger umweltschädlichen Auto. Schon vor einem Jahr betrachtete ich den damaligen Automarkt nach diesem Kriterium. Hierbei zeigte sich, dass die Autoindustrie jahrelang die Entwicklung der “umweltfreundlichen” Autos hinausgezögerte. Wahrscheinlich zwang der Ölpreisschock im Jahre 2008 die Autohersteller zum Umdenken. Leider werden diese sparsamen Autos noch immer zu wenig von den Kunden nachgefragt.
Ökoinfos statt Börsensendungen zur besten TV-Sendezeit
Mit “Börse im Ersten” und “SF Börse” bringen die beiden Sender ARD bzw. SF1 täglich zur besten Sendezeit Informationen über die Aktienbörse. Ich habe den Sinn einer solchen Sendung noch nie verstanden, weil die Informationen einer solchen Ausstrahlung kein Zielpublikum haben.
Die Sendezeit könnte besser für ökologische Informationen benutzt werden, beispielsweise für Werbung von neuen ökologischen Innovationen.
Ökologischer Boom lieber heute als erst übermorgen
Ein globales Klimaabkommen mit herausfordernden Zielen würde die Innovationen fördern und damit das Wirtschaftswachstum steigern. Scheitert ein globales Klimaabkommen, bleibt noch immer die Hoffnung das einzelnen Staaten eine erfolgreiche Klimapolitik vorleben, mit dem Wunschdenken, dass diese Nachahmer finden wird. Solche mutige Staaten könnten Gewinn bringend ihr Erfolgsmodell exportieren. Anderseits, ohne globale Klimaregeln sind solche Einzelgänge ökonomisch nicht ungefährlich und die CO2-Reduzierung könnte gar ausbleiben.
Einzelgänge von grünen Ländern bzw. EU nicht ungefährlich
Die Anbieter der fossilen Brennstoffe möchten natürlich ihre Lagerstätten zu einem guten Preis an die Nachfragenden verkaufen. Dadurch entsteht die Gefahr, dass die Weltbilanz des CO2-Ausstosses sich nicht verringert, obwohl einige Weltregionen ihre CO2-Produktion mit grüner Technologie und sparsameren Ressourcenumgang stark reduzieren würden. Länder, die sich bisher wenig um den Umweltschutz scherrten, namentlich die USA, würden vom Angebotsüberhang der fossilen Kohlenstoffe gar profitieren und könnten ihren verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen aufrecht erhalten. Zudem können sich viele Machthaber der Öl exportierenden Länder nur kurzfristige Einnahmenverluste aus diesem Geschäft erlauben, somit müssten diese bei fallenden Preise das Angebot ausweiten oder einen Preisanstieg erzwingen.
Die weltweite CO2-Reduzierung liesse sich mit globalen Regeln weitaus leichter erreichen.
Ich bin ein klarer Befürworter des EU- und Euroraumes. Europa war während Jahrhunderten von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Ich bin überzeugt, dass mit der EU sehr viel mehr politische und wirtschaftliche Stabilität in Europa Einzug hielten. Die kontinuierliche Integration der europäischen Staaten in einen Staatenverbund erachte ich in Europa als die beste Friedensförderung, dies sind sich einige schweizerische Bürger nicht bewusst. Der Euro finde ich schon nur angenehm, da die nicht von Landesgrenze zu Landesgrenze die Währung wechselt.
Natürlich wird es auf dem Weg zu dieser Integration auch immer wieder Rückschläge geben, es ist ein langfristiges Projekt mit Höhen und Tiefen.
Staatsverschuldung von USA und Grossbritannien höher als Euroländer
Zurzeit ist der Fokus der Weltpresse auf den Staatsschulden des Euroraum gerichtet. Obwohl die USA und auch Grossbritannien noch höhere Schuldenberge vor sich herschieben.
Die beiden Government Sponsored Entities (GSE) Fannie Mae und Freddie Mac zeichnen und garantieren zirka USD 5′500 Milliarden der US-Hypotheken. Das Fed kaufte bis USD 1250 Milliarden Mortgage-backed security (MBS) den beiden GSE ab. Der US-Staat hat Kreditlimiten für die GSE aufgehoben und sich verpflichtet, die weitern Defizite, bis ins Jahr 2012 zu übernehmen. China und Japan kaufen weiterhin die Anleihen der GSE, weil diese von einer US-Staatsgarantie für diese Wertpapiere ausgehen. In der Staatsrechnung wurden diese Schuldverpflichtungen der GSE Engagement nur teilweise aufgeführt. Würden die Schulden und Garantien vollständig in die US-Staatsrechnung übernommen, dann würde die Verschuldung der USA erheblich ansteigen.
Euro-Bail-out
Wahrscheinlich dient die Rettungsaktion für den Euro dazu, den vom griechischen Staatsdefizit drohenden Dominoeffekt auf weitere Euroländer wie Spanien, Portugal usw. zu unterbinden.
Die Ideologie der amerikanischen Geldvermehrungsmaschinerie nun auch für den Euroraum
Nach dem amerikanischen Fed und der Bank von England will nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen im Euroraum aufkaufen. Die französischen und spanischen Banken bedankten sich am 10.05.2010 mit Kurssprüngen von 20%. Noch vor wenigen Tagen war dieser Ankauf von Staatsanleihen bei der EZB kein Thema – über das Wochenende wurde nun beschlossen, diese Geldvermehrungsmaschinerie auch für den EU-Raum zu starten.
Bis zu EUR 750 Milliarden werden für den Eurowährungsraum bereitgestellt, wovon der Internationale Währungsfonds (IMF) EUR 250 beisteuert. Unmittelbar stehen nur EUR 60 Milliarden zur Verfügung, für den grösseren Teil von EUR 440 Milliarden müssen die Staaten erst noch ihre Rechtsgrundlage schaffen.
Griechenland und Banken sind auch Erpresser
Griechenland hatte jahrelang falsche Angaben über seinen Schuldenstand gemacht und so das Ausmass seiner Haushaltskrise verschleiert, nun können sie darauf spekulieren gerettet zu werden. Gemäss dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist dies Euro-Rettungspaket auch ein weiteres Bail-out für die Banken.
Wahrscheinlich liegen beide Herren richtig, die Banken müssen einmal mehr gerettet werden und die Integration von Europa sollte nicht auf Grund des der immensen Staatsschulden zurückfallen. Es ist nicht erstaunlich, dass der schweizerische Ackermann und der deutsche Wellershoff die grundsätzliche Motivation des Rettungspaktes unterschiedlich einschätzen. Dem Deutschen sind die verheerenden europäischen Kriege gegenüber dem Schweizer wahrscheinlich noch besser in schlechter Erinnerung.
Nur noch sparen in Europa der falsche Weg
Wer glaubt die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise nur mit sparen unter Kontrolle zu bringen, gibt sich auf den verheerenden Pfad der 1930-er Jahren. Sicherlich können die meisten Staaten in ihren überdimensionierten Staatsapparaten sparen, die meisten Länder haben zu viele und zu teuere Staatsbeamte. Trotzdem ist die Finanz- und Wirtschaftskrise noch längst nicht überwunden. Leider haben es die Staaten verpasst, in wirtschaftlich besseren Perioden, einen Überschuss in ihrem Staatshaushalt zu erzielen.
Fazit
Wir Schweizer sollten die Probleme des EU-/Euro-Raums nicht nur monetär betrachten. Portugal, Spanien und andere Länder in Europa haben sich in den letzten 30 Jahren erhebliche wirtschaftlich und politisch verbessert, davon profitiert auch die Schweiz.
Die Aktienindizes haben im 2009 erheblich zugelegt, wobei bisher wahrscheinlich nur wenige Indizes die Verluste von 2008 wegmachen konnte, wie beispielsweise der Ibovespa (Brasilien).
Index
Punktestand 31.12.2009
Punktestand 31.12.2008
2009 Performance
2009 Jahrestief
Performance seit 2009 Jahrestief
S&P 500
1115.1
903.25
23.45%
666.79
67.23%
Dow Jones
10428.05
8776.39
18.82%
6470.11
61.17%
NASDAQ
2269.15
1577.03
43.89%
1265.62
79.29%
DJStoxx 600
253.16
196.9
28.57%
157.97
60.26%
DAX
5997.43
4810.2
24.68%
3588.89
67.11%
SMI
6545.91
5534.53
18.27%
4234.96
54.57%
SPI
5626.4
4567.57
23.18%
3569.83
57.61%
Ein vorsichtiger Anleger der anfangs 2009 ein Portfolio mit 30% Aktien hielt, konnte ohne eine Transaktion mehr als 6% einfahren. Der passive Anleger mit dem typischen Aktien/Anleihen Portfolio konnte im 2009 nur gewinnen!
Aktienexperten und ihre Prognosen
Ich habe in der folgenden Tabelle die Prognosen der Punktestände für den SMI zusammengetragen.
Während am 23.12.2008 die Prognosen für den SMI mit der Ausnahme von Picet & Cie gut waren. Wurden die Prognosen von den Aktienexperten im März 2009 sehr stark nach unten revidiert, dabei wird ersichtlich, dass der Punktestand des Prognosedatums die Voraussage erheblich beeinflusst.
Einer Clariden Leu würde ich mein Geldvermögen nie zur Verwaltung anvertrauen, es ist tragisch wie sie ihre Prognosen im März nach unten korrigiert haben. Einige Finanzinstitute mochten im September schon gar keine Prognose mehr abgeben – eine späte Einsicht.
Es ist einmal mehr der Beweis, dass es mit den Prognosen nicht funktioniert, diese so genannten Aktienexperten sind nichts anderes als Scharlatane. Leider sind sie unbelehrbar und geben auch für das Jahr 2010 ihre Prognosen ab, siehe “Prognosen der Börsenprofis und meine für 2010“. Andererseits verlangen die Anleger, Medien usw. nach solchen Prognosen. Der Anleger sucht in diesen Mutmassungen nach Bestätigung seiner eigenen Prognosen. Die Aktienexperten könnten also sagen: “Der Anleger will mit Prognosen belogen werden und wir liefern sie, was soll daran falsch sein?”.
Es ist schon erstaunlich, mit welcher Arroganz die Finanzinstitute am Markt ihre unseriösen Prognosen verbreiten, in der Hoffnung, dass ihre Fehlprognosen schnell wieder vergessen gehen. Die Finanzmarktaufsicht müsste diese Institute zwingen ihre Prognosen und deren historischen Abweichungen in ihren Internetportalen zu veröffentliche, damit würde wahrscheinlich das Übel der mehrmonatigen Aktienindizes Prognosen sehr schnell aussterben.
Wie ein Notenbanker die Situation falsch einschätzte
Auch der US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte seit Juli 2005 die Situation am US-Immobilienmarkt und deren Auswirkung auf die Wirtschaft mehrfach falsch eingeschätzt. Ein interessanter Zusammenschnitt einiger Aussagen vom Fed-Chef:
Mein Portfolio 2009
2007
2008
2009
Durchschnitt 3 Jahre
Rendite
2.70%
-4.20%
6.30%
1.51%
Inflation
0.70%
2.40%
-0.50%
Inflationsbereinigt
2.00%
-6.60%
6.80%
0.58%
Risiko: 5.34%
Angaben nach Gebühren vor Steuern (exklusive Verrechnungssteuer auf schweizer Anleihen bzw. Immobilienfond)
Die Rendite im 2009 betrug 6.3% und inflationsbereinigt war die durchschnittliche Rendite der letzten 3 Jahre nur 0.58%. Diese Minirendite ist weit entfernt von meiner gewünschten inflationsbereinigten Zielrendite von wenigen Prozenten. Mit 5.34% liegt das Risiko meines Portfolios in der Kategorie Anleihen, siehe “Risiko und Volatilität“. Ein solch tiefes Risiko verhindert natürlich eine höhere Rendite, zudem hatte ich bisher mit 20% und mehr immer einen hohen Cashbestand. Daher lautet die Devise für die Zukunft: Weniger Cash und ein Mehr an Aktien und/oder Rohstoffen.
Ausblick
Ich hoffe ich bekomme anfangs 2010 nochmals die Möglichkeit günstig Rohstoffe und Aktien in meinem Portfolio zu akkumulieren. Daraus wird ersichtlich das ich eher auf eine Deflation spekuliere, d.h. das Wirtschaftswachstum würde nochmals einen Rückfall erleiden. Falls wir eine V-Erholung erleben, dann werde ich diese beiden Assetklassen trotzdem erhöhen.
Fremdwährungen
Noch bis in den April 2009 habe ich weiter EUR und USD zugekauft. Für den USD habe ich den schlechtesten Termin im 2009 gewählt – ich bezahlte CHF 1.17 für einen USD.
Währungspaar
Mittelkurs am 31.12.2009
Rendite 4 Jahre
EUR/CHF
1.4832
-5.75%
USD/CHF
1.0355
-8.65%
Assetklassen
Anleihen
Die grössten Gewinne im 2009 wurden mit den Kursgewinnen bei den Unternehmensanleihen eingefahren, dabei hatte ich teilweise eine glückliche Hand bezüglich des Timings, wobei ich einige zu früh abgestossen hatte. Als ich im Juni den Blogeintrag “Anleihen in der Praxis” schrieb, dachte ich wirklich, dass bei den Unternehmensanleihen mit Investment-Grade Rating, die Höchststände teilweise schon erreicht wären.
Aktien
Ich hielt noch sehr lange nach dem “Aktien-Jahrestief” im März nur eine kleine Position von Aktien, bzw. die Long-Position war nur leicht höher als die Short-Position. Daher war die Rendite in dieser Assetklasse eher bescheiden.
Immobilien
Mit Immobilienfonds habe ich im Jahr 2009 einige Gewinne verbuchen können.
Rohstoffe
Die Anteile am ZKB-Gold ETF und EasyETF GSCI wurden stark abgebaut, daher die Reduktion in dieser Assetklasse. Im 2009 konnte ich signifikante Gewinne mit den Rohstoffen einfahren. Zurzeit stelle ich eine passive Strategie mit Rohstoffen ETF über eine Anlagedauer von mehreren Jahren infrage.
Um die Prognosen besser in Relation zu den Punkteständen vom 31.12.2009 zu setzen, nachfolgend einige Indizes mit ihrem Punktestand :
Index
Punktestand 31.12.2009
S&P 500
1115.10
Dow Jones
10′428.05
NASDAQ
1860.31
DJStoxx 600
253.16
Dax 30
5997.43
SMI
6545.91
SPI
5626.40
Prognosen der Aktienprofis
Noch einmal nehme ich mir hier die Mühe, den Quatsch der Prognosen einiger Aktienstrategen und Ökonomen hier wieder zu geben.
Quelle: Handelszeitung Nr. 52
Ich bin sehr erstaunt über die Überlebensfähigkeit einiger dieser Personen, auch nach einigen Jahren Fehlprognosen bekommen sie noch ihre Bühne in seichten Sendungen wie SF-Börse und Börsenstandpunkte.
Ich sehe mir solche Sendungen seit Langem nicht mehr an, ich finde das Swissquote-Sponsoring für einen Schwachsinn wie die SF-Börse sehr verwerflich.
Da ich keine Magazine oder Zeitungen wie stocks, Handelszeitung usw. mehr lese, werde ich auch weniger mit diesem Prognosenquatsch in Berührung kommen. Daher ist dies die letzte Wiedergabe der Prognosen von Aktienstrategen, der Schlusspunkt erfolgt mit dem Vergleich mit der Wirklichkeit anfangs 2011.
Ich finde ein Buch wie “This Time is Different: Eight Centuries of Financial Folly” tausend mal informativer als solche Aussagen wie beispielsweise “money on the sidelines”. Mit “Viel Geld/Cash an der Seitenlinie” wird des Öfteren von Aktienstrategen begründet, warum die Aktienkurse noch steigen werden. Dabei ist den so klugen Finanzleuten wahrscheinlich entgangen, dass bei einer Aktientransaktion der Verkäufer wieder an die Seitenlinie geht.
Ich hoffe, dass auch der letzte Privatanleger nach 3 bis 4 Jahren meines Prognosen-Tracking überzeugt werden konnte, dass die Prognosen der Ökonomen und noch viel mehr der Aktienstrategen reiner Zufall sind.
Es gibt durchaus Herren wie Marc Faber, Jim Rogers oder auch George Soros deren Äusserungen ich gelegentlich mitverfolge. Die Personen sind von anderem Kaliber als diese Mainstream Aktienexperten wie Curti, Gattiker-Ericsson oder wie auch immer sie heissen.
Aktienexperten prognostizieren fast immer nur steigende Aktienkurse
Über mehrere Dekaden sind Aktienkurse fast nur angestiegen, daher ist die Wahrscheinlichkeit eines Kursanstieges leicht höher als der eines fallenden Kurses. Schon nur aus diesem Grund wird der Analyst eher steigende Kurse prognostizieren. Viele Investoren können oder wollen nur auf steigende Kurse spekulieren, falls dieser Investor auf Grund sinkender Prognosen nicht investiert bleibt und die Kurse nun steigen, verliert dieser Prognostiker sofort seine Reputation. Es ist viel einfacher für den Ökonomen oder auch Analysten konform mit der mehrheitlichen Meinung zu sein, auch wenn diese sich als falsch herausstellen wird. Um Nouriel Roubini auch (“Dr. Doom” = “Dr. Untergang”) genannt wurde es in letzter Zeit sehr still, wahrscheinlich hat die Aktienrally seiner Reputation sehr geschadet. Der Mensch will mit der Mehrzahl “rennen”, auch wenn es manchmal die falsche Richtung ist. Wer als Aktienexperte seinen Job längerfristig behalten will, prognostiziert mit der Mehrheit immer nur steigende Aktienkurse.
François-Xavier Aubry, Manager des Axa-Deutschland-Fonds
Zunahme von 15-20%
Schwellenländer und Asien
Jürgen Callies, Leiter Research der Meag
6100 Punkten
Aktien Europa und rohstoffexportierende Länder
Thomas Grüner, Geschäftsführer von Grüner Fisher
Aktien moderat positiv
Emerging Markets, Technologie Grund- und Rohstoffe
Christoph Hock / Henning von Issendorf, Partner bei Tungsten Capital
Marktumfeld schwer einschätzbar, daher keine konkrete Festlegung des Dax-Entwicklung
Negativ gegenüber USD. Bevorzugen langwellige Branchen wie Telekommunikation, Energie & Versorger
Klaus Kaldemorgen, DWS-Geschäftsführer
6500 Punkten, da fehlende Alternativen steigen die Aktien weiter
Substanzwerte mit hohen Dividendenrenditen. Defensive Branchen wie Gesundheit, Telekommunikation, Versorger und Ölunternehmen könnten so zu den Gewinnern zählen.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank
Weltweite Streuung mit substanziellen Anteil in Emerging Markets
IT, Telekom, Bergbau, als Regionen Europa und die Emerging Markets
Ingo Mainert, Managing Director Allianz Global Investors
5000 – 6500 Punkten, Aktien allerdings am attraktivsten
Schwellenländer vor allem Asien und Qualität, Substanz sowie Nachhaltigkeit
Michael Herzum, Chef der Asset-Allokation bei Union Investment
6400 Punkten
Aktien aus den Emerging Markets, Europa sowie Titel mit einer hohen Dividendenrendite
Jeremy Podger, Threadneedle-Aktienchef
Hochwahrscheinlich wird frisches Geld in Aktien gesteckt
Technologiesektor und Stockpicking
Markus Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung
6000-6100 Punkten, volatil
Gesundheit, Telekommunikation, Grundstoffe, Pharmazie, Versorger und europäischen Ölunternehmen. Schwerpunktmässig Europa und sehr selektiv in Emerging Markets
Brian Belski, chief investment strategist, Oppenheimer
1300
Barry Knapp of Barclays Capital. Knapp
1120
David Bianco, Bank of America Merrill Lynch
1275
23.12.2009: Handelszeitung Nr. 52, “Monetäre Zügel eher zu spät angezogen”
Die Experten sehen weitere steigende Aktienkurse in der Schweiz, wenn auch mit Schwerpunkt im 1. Quartal 2010. In folgenden werden die Aussagen der Aktienexperten in stark gekürzter wiedergegeben:
Christoph Schenk, Chief Investment Officer UBS
Stefan Keitel, Chief Investment Officer, Credit Suisse
Marco Curti, Leiter Investment Research, Zürcher Kantonalbank
Christian Gattiker-Ericsson, Leiter Research, Bank Julius Bär
Burkhard P. Varnholt, Chief Investment Officer, Sarasin
Wie beurteilen Sie die mittel- und langfristigen Aussichten für den Schweizer Aktienmarkt?
Schweizer Konjunktur festigen. CH-Aktien weiter stabilisieren. Zunahme der Volatilität da Reduktion der Geldpolitik
Aufwärtstrend mit mehr Volatilität aber unterstützt mit Umsatzsteigerung.
Zunahme der Volatilität und erwartet dem SMI bei knapp unterhalb 7000. Zuversichtlich das Rezession zu Ende ist.
1. Quartal 2010 weiter Erholung, danach Seitwärtstrend. SMI könnte 7000 knacken, wird danach sich bei 6600-6800 einpendeln.
Erfreuliches 1. Quartal mit überraschenden Unternehmensergebnissen, sollte den SMI über 7000 treiben. 2. Halbjahr mit konjunkturellen Dämpfer, zuerst in USA danach auch in Europa. SMI Ende 2010 bei 6600 Punkten.
Welche Entwicklungen erwarten Sie aufseiten der Geldpolitik?
Grosser Einfluss der Zentralbanken auf Anlagemärkte. Umlaufrenditen 10-jähriger Staatsanleihen steigen in der Regel, 4-6 Monate vor erster Zinserhöhung um 60-80 Basispunkte.
Erwartet erste Zinsschritte im 3. Quartal 2010, wohl eher zu spät als zu früh. Sieht keine Deflationsrisiken.
Zurückfahren des Ankaufes von Anleihen durch Zentralbanken. Erste Leitzinserhöhung per Mitte Jahr der grossen Notenbanken.
Lasche Geldpolitik, SNB wird 2. Halbjahr Zins anheben. Sieht keine Gefahr von Inflation.
Da ab 2. Quartal sich der Abschwung anzeigen wird, erfolgt keine Zinsschritte der Zentralbanken. Anstieg der langfristigen Zinsen und Abflachung der Zinskurve in der 2. Jahreshälfte.
Welche Schweizer Aktien favorisieren Sie im kommenden
Jahr?
Jahresbeginn eher zyklische Werte, danach defensive Titel, wegen Reduktion der expansiven Geldpolitik.
Credit Suisse gibt keine Empfehlung zu Schweizerischen Einzeltiteln.
Blue Chips: Roche, Syngenta, Zürcher Financial Services, Addeco, Givaudan
Nebenwert: Vetropack, Kaba, Acino, Helvetia, Barry Callebaut
Ausgewogenes Portfolio, auf Grund verhaltenen Marktausblick.
Unternehmen mit hohen Umsatzanteil in Schwellenländern. Barry Callebaut, Roche, ZFS, Sika, Sulzer.
Welche Investmentthemen sollten 2010 gespielt werden?
Schwellenländer andauernde Erholung. Abschwächung der Dynamik in entwickelten Ländern.
Aktien besonders der Schwellenländer und auch Rohstoffe profitieren. Gold interessant als Absicherung gegen Dollarschwäche.
Infrastruktur und Nachhaltigkeit. Investitionen von Schwellenländer in Transport und Energie.
Kursgewinne Aktien und Unternehmensanleihen beschränkt. Papiere mit Kupon und Dividendenzahlungen bevorzugt. Rohstoffe weiters Thema.
Dividendentitel werden von institutionellen Anlegern bevorzugt. Aufholpotenzial für Aktien in den Bereichen alternative Energien und Wasser.
23.12.2009: Cash, “cash-Ausblick 2010: Aktien Schweiz”
Im Durchschnitt prognostizieren die Aktienprofis einen rund 5.5% Anstieges des SMI. Wobei der Jahreshöchststand im Frühjahr 2010 erwartet wird. “Aufgrund der niedrigen Zinsen sind viele Anleger in einen Anlagenotstand geraten und werden ihre Gelder allmählich in Anlagen mit höheren Renditechancen umschichten”, so Sarasin-Chefstratege Philipp Bärtschi. “Dies dürfte den SMI im Frühjahr über 7000 Punkte treiben.” Auch die Credit Suisse und Julius Bär rechnen Anfang Jahr mit steigenden Kursen.
Prognosen für den SMI (per Ende 2010):
Finanzinstitute
SMI-Punktestand Ende 2010
Top-Aktien SMI
Clariden Leu
7250
ABB, Nestlé, Syngenta
Credit Suisse
7000
Nestlé, Swiss Life, Syngenta
Julius Bär
6750
Nestlé, Roche, Syngenta
Sarasin
6600
Roche, ZFS
UBS
k.A.
ABB, Nestlé, Syngenta
Vontobel
6950
Adecco, Holcim, UBS
Zürcher Kantonalbank
über 7000
Novartis, Roche, Syngenta
31.12.2009: USA Today, “Stocks post biggest rebound in 2009 since Great Depression” Dan Cook, Senior Marktanalytiker, IG Markets, Chicago: Es sieht den Dow Jones nochmals um 500 Punkte bis zu 11′000 im Januar steigen. Danach wird es bis zum Jahresende auf 8′800-9′000 fallen.
Rohstoffe
29.12.2009: Handelsblatt, “Droht eine Rohstoff-Blase?“
Die Meinungen der Finanzfachleute fallen sehr unterschiedlich aus, gerade beim Ölpreis besteht wenig Einigkeit ob dieser steigen oder fallen wird.
Sintje Diek, HSH Nordbank: Sie sieht den Ölpreis ende 2010 bei USD 85.00.
Christian Heger, Chief Investment Officer des Vermögensverwalters HSBC Global Asset Management (Deutschland): “Bei Gold sehe ich keine Blasenbildung, da Angebot und Nachfrage noch zusammenpassen”.
Fazit
Die Finanzmarktexperten geben ausschliesslich positive Prognosen für die Aktienkurse ab, dabei sollte das 1. Quartal positiv herausstechen. Staatsbankrott oder Inflation scheint sie zurzeit nicht zu beunruhigen. Emerging Markts und Dividendentitel sind die bevorzugten Themen. In der Schweiz ist scheinbar die Syngenta der heisse Aktientipp.
Meine Prognose
In letzter Zeit wurde vermehrt über die Möglichkeit von Staatspleiten diskutiert. Ob die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Griechenland im Euroraum ein Einzelfall bleiben wird, darf bezweifelt werden. Die Vermeidung der weltweiten Depression haben und werden die Staatshaushalte mit Billion belasten. Falls das Wirtschaftswachstum einen Rückfall erleidet und die Staaten nochmals Konjunkturpakete schnüren müssen, wird es für einige Staatshaushalte sehr schwierig dies zu finanzieren.
Auf den Zentralbanken lastet der Balanceakt der Zinserhöhungen, erfolgt sie zu spät oder nicht stark genug, droht die Inflation und die Langfristzinsen könnten stark steigen – was die Refinanzierung einiger Staaten erschweren würde. Wird der Zins zu schnell und zu stark angehoben, besteht die Gefahr eines negativen Wirtschaftswachstums mit Deflation und gar Depression.
Das Schicksal der Finanzmärkte liegt wahrscheinlich zurzeit wie auch schon im 2009 grösstenteils in den Händen der Zentralbanken. Die Bilanzen der Notenbanken sind zurzeit alles andere als transparent zudem halten sich sehr bedeckt bezüglich ihrer Strategien, wahrscheinlich setzen sie auf die Karte “Hoffnung”. Daher ist eine Prognose für die einzelnen Assetklassen kaum möglich, ich werde aber meine Investitionen vermehrt in Richtung Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe lenken.
Die “noch” Militärmacht USA verabschiedet sich immer mehr von der freien Marktwirschaft
Die USA manipuliert die Finanzmärkte
Hierbei geht es nicht um eine Verschwörungstheorie, sondern vielmehr ist das Fed und die US-Regierung gezwungen oder sehen dies als die einfachere Lösung ihrer vielseitigen Wirtschaftsprobleme. Beispielsweise greifen beide Instanzen sehr stark in den US-Wohnimmobilienmarkt ein, dies geschieht über die beiden US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac oder auch das USD 75 Milliarden “Loan Modifications” Programm. Letztendlich verursacht dies nur Marktverzerrungen und die Immobilienpreise fallen nicht weiter, es ist ein weiteres verschleiertes Banken Bailout Programm, wessen Kosten der US-Steuerzahler trägt. Barack Obama tanzt nach der Musik der Wallstreet, während sich die Banker schon wieder die dicken Boni gönnen. Wäre es nicht besser, wenn jetzt die US-Immobilienpreise soweit fallen würden, dass sich die US-Amerikaner ihrer Häuser wieder leisten könnten?
Hauptgrund, warum die USA sich selbst nicht mehr finanzieren kann
Obwohl die USA im wieder hervorragende Unternehmen gegründet werden, halte ich den langsamen Niedergang der USA für unausweichlich. Wahrscheinlich bleibt die USA noch für eine lange Zeit die Leaderin in vielen Technologien, dies ist auch nicht das primäre Problem dieses Landes.
Das Hauptproblem liegt bei ihren immensen Budget für den Militär- und Sicherheitsapparat, fast jede grössere Macht ist in der Vergangenheit an diesen Kosten gescheitert. Natürlich können sie ihre teuren militärischen Konflikte noch einige Jahre mit der Abwertung des USD zahlen, aber eines Tages steht dieser bei 0, was dann?
Geld ist nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern wurde zum Selbstzweck. Da die Geldmenge viel schneller als die Realwirtschaft expandiert, wird seit einigen Jahren mehr Geld mit Geld verdient als mit der Entwicklung von Gütern.
Billiges Geld soll auch diese Krise lösen
Eine Pleitewelle von Banken, Versicherungen usw. wurde vermieden, weil die Staaten und ihre Nationalbanken die Geldschleuse weit öffneten. Lang anhaltende Rezessionen wurden in den letzten 2 Jahrzehnten gemieden, da die Gefahr von Deflation und Massenarbeitslosigkeit bestand. Dieses billige Geld führte dazu, dass die Ungleichgewichte bestehen blieben und die Verschuldung sowie Leitungsbilanzdefiziten einiger Industriestaaten wie der USA stark zunahmen. Die Zentralbanken, Wirtschaft, Vermögenden und die fehlgeleitete Politik haben die Reichen noch reicher gemacht und die Armen wurden noch ärmer. Die überschüssigen Vermögen landeten als Spekulation in den Finanzmärkten und weniger bei den Menschen, die es als Konsumausgabe benötigen.
Inflation
Der Begriff Inflation (von inflare = aufblähen) bezieht sich auf das Geld, bzw. die Aufblähung der Geldmenge. Die meisten Menschen verwechseln immer noch Inflation mit steigenden Preisen, jedoch ist dies nur die Folge der Inflation. Dem gegebenen Angebot steht eine vermehrte Anzahl von Geldscheinen gegenüber, daher muss ein Produkt bzw. Leistung mit mehr Geldscheinen abgegolten werden. Die Verantwortlichen der Inflation sind die Notenbanken, sie geben mit ihren Notenpressen das Zuviel an Geldscheinen in den Umlauf.
Seit 1994 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Inflation sehr gut kontrollieren können. Wie im folgenden Diagramm ersichtlich, stiegen mit der Inflationsrate meist auch verzögert der 3-Monats-Libor. Daraus könnte man schliessen, dass auch die nächste Inflation die Geldvermögen nicht entwertet.
Hyperinflation ist eine starke Form der Inflation, leider gibt es keine Definition, ab welcher Inflationsrate von Hyperinflation gesprochen wird. Daher wird der Begriff allzu oft schon nur für eine hohe Inflation missbraucht.
Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Jahren eine Hyperinflation in den Industriestaaten erleben werden. Schon eine Inflation von 5-10% p.a. führt in einigen Jahren zu einem immensen Kaufkraftverlust.
Kontroverse über Consumer Price Index (CPI)
Über die letzten Jahrzehnte unterlag die Messung des CPI in den USA immer wieder Korrekturen. Es stellt sich damit die Frage, ob der CPI noch die Realität misst oder eher ein Manipulationsfaktor für geschönte US-Statistik ist:
John Williams auf Shadow Government Statistics hat diese Anpassungen bzw. Manipulationen der US-Regierung an den Berechnungsmethoden für seinen Verbrauchsindex nicht übernommen. Sein Index weist eine weitaus höhere Inflation aus:
Deflation entsteht durch übermässiges Sparen infolge pessimistischer Beurteilung der Zukunft bzw. durch eine Überproduktion von Gütern, die weit über der Nachfrage steht. Die Deflation kann zu einer Abwärtsspirale von sinkenden Preisen und der reduzierten Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen auslösen, dies ist natürlich das Gegenteil vom erwünschten Wirtschaftswachstum.
Beispiel Great Depression
Nach dem Börsencrash von 1929 wurde die Geldmenge durch die Notenbanken drastisch reduziert. Zuvor wurden in den 1920er-Jahren allzu leichtfertig mit Krediten umgegangen. Zudem war in Europa noch vielen die Hyperinflation der frühen 1920er-Jahre sehr präsent. Durch die restriktive Geldpolitik wurde in den 1930er-Jahren die bisher grösste Wirtschaftskrise ausgelöst.
Beispiel Japan
Japan steckt sein den 1990er-Jahren in einer schleichenden Deflation, obwohl die Notenbank 1991 etwas spät die Geldschleusen mit mehreren Schritten zu quasi 0% Leitzins öffneten. Auch die Staatsausgaben wurden stark erhöht und betragen heute zirka 220% des Bruttoinlandsprodukts. Erst in den Jahren 2003/2004 gelang es, die Krise einigermassen zu beenden, doch seit der neuen Finanz- und Wirtschaftskrise ist Japan wieder zurück in der Deflation. Anderseits sank das Bruttoinlandsprodukt bezüglich dieser Krise nie, sondern expandierte durchschnittlich 1.2 p.a. und es gelang, die Depression zu vermeiden.
Viel des billigen Geldes wanderte in Fremdwährungskredite statt in die japanische Wirtschaft. Der Begin der aktuellen Finanzkrise im August 2008 lies die Carry-Trade-Blase platzen und der JYP stieg sehr kurzeitig rasant an. Nun solche länger oder auch kurzfristigen Spekulationsblasen sind bezeichnend für dieses 2000-2009 Jahrzehnt.
Stagflation
Stagflation ist eine Wortschöpfung aus Inflation und Stagnation. Bis zur Ölkrise der 1970er-Jahre war die Stagflation weitgehend unbekannt. Weitere Informationen siehe Wikipedia.
Anlagen mit Inflationsschutz oder variablen Zinsen
Inflation schädigt tendenziell die Geldvermögen (Bankguthaben, Anleihen) mehr als Sachvermögen (Aktien, Immobilen, Rohstoffe). Immobilien, Rohstoffe und Aktien sind historisch positiv mit der Inflation korreliert – dies ist eine sehr allgemeine Aussage! In der Regel steigen über einen sehr langen Zeitraum mit der Inflation auch die Notierungen dieser Anlagen. Es gibt nicht die beste Assetklasse, die während eines Inflationszyklus alle anderen schlägt. Daher ist wahrscheinlich eine Diversifikation in unterschiedliche Assetklassen die beste Strategie für die Kaufkrafterhaltung.
Aktien
Es ist ein grosser Irrtum, dass die Aktien bei einer Inflation fallen. Bei “Inflation Is the Enemey” können Sie entnehmen, das auch Aktien während inflationären Zeiten meistens ein hervorragender Inflationsschutz waren. Die Zentralbanken bekämpfen die Inflation in der Regel mit der Erhöhung der Zinssätze, dadurch verlieren Aktien an Attraktivität, wenn aber die Zentralbanken nicht sofort mit der Steigerung der Zinssätze auf die Inflation antworten, bleiben Aktien mit Rohstoffen und Immobilien die beste Wahl.
Vielfältige Ereignisse können den deutlich volatileren Aktienmarkt gegenüber einem Preisindex beeinflussen, zudem hatten wir in den letzten 40 Jahren fast durchgehend Inflation. Daher lässt sich eine direkte positive Korrelation kaum belegen. In den 1970er Jahren gab es einen Zeitraum, wo die Inflationsrate über 5% betrug, trotzdem erlitten die Aktienkurse erhebliche Rückschläge.
Immobilien
Es ist sehr umstritten, wie gut Immobilien vor einer galoppierenden Inflation schützen. Ich habe sehr viel widersprüchliches Material gefunden. In der Schweiz haben wir in den letzten Jahren eine Bevölkerungszuwanderung erlebt, dies fördert natürlich die Nachfrage nach Immobilien.
Direkte Immobilienanlage
Bei einer Direktinvestition spielt die Lage der Immobilie eine wichtige Rolle zudem ist der Kauf einer Immobilie aufwändig und die Transaktionskosten sind hoch.
Indirekte Immobilienanlage
Dabei kann der Investor auch mit einem kleinen Budget beispielsweise offene Immobilienfonds am Sekundärmarkt handeln.
Letztendlich muss die Assetklasse Immobilien sehr differenziert betrachtet werden, abhängig von Lage, Wohn- oder Geschäftsimmobilie sowie der Wahl der Investition.
Inflationsgeschützte Anleihen (Linker)
Die Hauptwährung meines Portfolios ist der CHF. Leider gibt es keine schweizerischen Staatsanleihen mit Inflationsschutz, daher trägt der Anleger von Linker das Währungsrisiko von EUR oder USD. In Europa gibt es einige Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien usw., welche Inflationsgeschützte Anleihen in EUR ausgeben. Zudem gibt es einige ETFs, die dieses Thema abdecken. In Europa wird der Harmonisierter Verbrauchsindex (HVPI) als Referenz für die Indexberechnung benutzt. Sowohl der nominale Rückzahlungsbetrag wie auch der Jahreszins wird um den Anstieg des Preisindex erhöht. Beträgt beispielsweise der Zinscoupon 1.5% und steigt der Preisindex 3% p.a., so beträgt der Zins im zweiten Jahr 1.591% und die Rückzahlung wäre nach zwei Jahren 106.9. Der Schutz vor der laufenden Geldentwertung hat ihren Preis, verglichen mit der festverzinslichen Anleihe, ist der Zinscoupon sehr viel tiefer. Heute rentiert eine klassische deutsche Staatsanleihe mit fünf Jahren Laufzeit bei etwa 2.8% p.a., eine identische inflationsgeschützte Staatsanleihe bietet eine Rendite von 1.6% p.a..
Risiko
Gegenüber einer festverzinslichen Anleihe reagiert auch der Linker auf die Bonität des Schuldners, und bei einem Leitzinsanstieg erleiden auch die inflationsindexierten Papiere einen Kursverlust.
Floating Rate Notes (Floater)
Normalerweise erhöhen die Zentralbanken die Leitzinsen bei steigender Inflationsrate. Bei einer Floater-Anleihe ist der Nominalzins häufig an den 3-Montas-Libor gekoppelt. Dadurch wird vierteljährlich der Nominalzins des Floaters angepasst. Zum Mindestzinssatz der auf Grund der Bonität des Emittenten zu Stande kommt, erfolgt ein allfälliger variabler Zinssatz, der sich auf den Referenzzinssatz bezieht. Aktuell ist der 3-CHF-Monats-Libor zirka 0.25% daher sind die Zinsen ende 2008 richtiggehend eingebrochen. Leider haben die meisten an der SIX in CHF gelisteten Floater eine Laufzeiten bis maximal 2012, wenn keine Leitzinserhöhung in Kürze erfolgt, wird sich eine solche Anlage gegenüber einer festverzinslichen Anleihe kaum rechnen.
Rohstoffe allgemein
Rohstoffe sind im Algemeinen und nicht nur Gold ein guter Inflationsschutz. Bei der SIX gibt es eine breite Palette von ETF’s mit Schwerpunkt auf Edelmetalle. Wobei es mit dem EasyETF S&P GSCI TM CAPPED COMMODITY 35/20 beispielsweise auch einen energielastigen ETF angeboten wird.
Gold
Das Vertrauen in die Weltwährung Gold ist hoch und wann immer die Menschen den Glauben an das Papiergeld verlieren, steht Gold hoch im Kurs. Gold hat gegenüber den anderen Rohstoffen zusätzlich den Vorteil, dass es sich auch in einer Stagflation bewähren sollte. Wird das Wirtschaftswachstum nämlich wieder negativ, so fällt die Nachfrage und damit der Preis bei den Industrierohstoffen wie Rohöl, Silber usw.
Es ist richtig, dass der Goldstandard über einen langen Zeitraum funktionierte. Der Goldstandard und feste Wechselkurse waren auch die Zutaten für der Great Depression. Daher wird der Goldstandard mit Sicherheit nicht wieder eingeführt werden, siehe auch “Goldstandard, Deflation und Depression“.
Goldanlagen
Gold ist erst seit 1999 wieder eine rentable Anlage, siehe “Gold seit 1872“. Leider war Gold des Öfteren kein guter Inflationsschutz, beispielsweise stieg der CPI von 1980 bis 1990 um 60%, während das Gold in den beiden Jahren bei USD 500 bzw. USD 400 lag. Wäre Gold immer ein guter Inflationsschutz gewesen, so würde im folgenden Chart der nominale Goldpreis die inflationsadjustierte Linie überdecken.
Physisches Gold: Gold kann in kleinsten Mengen, in Form von Goldbaren gekauft werden. Es sollten möglichst grosse Einheiten erworben werden, andernfalls fällt die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs sehr hoch aus. Ich hatte bisher kein physisches Gold, ich glaube nicht, dass die Währungen zusammenkrachen, so das Geld nur noch zum Anfeuern des Kaminofens benutzt werden kann.
Gold ETF: In der Schweiz werden einige Gold-ETFs angeboten. Diese sind mit physischen Gold hinterlegt, wobei eine mögliche physische Auslieferung je nach Fonds anders gehandhabt wird. Normalerweise werden Goldbarren in der Form von 400 Unzen (ca. 12.5 kg) mit der Feinheit 995/1000 mit diesen ETFs gehandelt. Bisher hatte ich den ZKB Gold ETF dieser hat kein CHF-Hedging gegenüber dem USD. In naher Zukunft werde ich nur noch währungsabgesicherte Gold ETFs in Betracht ziehen. Die Korrelation USD/CHF und Gold war in den letzten Monaten klar negativ, d.h. wenn der Dollar gegenüber dem CHF verlor, stieg der Goldkurs.
In einem Vergleich gab dies eine klar bessere Rendite für den CHF-Währungsabgesicherten Julius Baer Physical Gold Fund (CHF) A gegenüber dem ZKB Gold ETF. Natürlich muss die Korrelation USD/CHF und Gold beobachtet werden.
Goldminenaktien: In den 1970er Jahren war der Kursanstieg der Goldminenaktien höher als beim Gold selbst. Der Privatanleger sollte nicht einzelne Minenaktientitel kaufen, besser ist es ein Fonds bzw. ein ETF zu kaufen. Bei den ETFs ist die Auswahl zurzeit noch gering, in Deutschland wird der ETFX Russell Global Gold Fund (ISIN:DE000A0Q8NC8) von ETF Securities angeboten.
Mögliches Szenario: Zuerst leichte Deflation danach Inflation
Der Markt wird die Erwartung einer Deflation bzw. Inflation vorwegnehmen. Wobei zurzeit der Markt eher auf eine Inflation spekuliert. Dies entnehme ich dem steigenden Goldpreis und dem Anstieg des SXI Real Estate Funds Preisindex. Wobei Gold auch als teilweise Währungsabsicherung gegen den Zerfall des USD dient. Was sagte Fritz Plass einst: “In Zeiten stabilen Geldwerts ist Gold eine Ware, in Zeiten der Inflation ist Gold Geld”.
Viele Wirtschaftsökonomen und Investoren glauben, dass es keine richtige Deflation gegen kann, da die Regierungen und insbesondere die USA dies mit allen Mittel vermeiden wollen. Notfalls werden die Staaten weitere Konjunkturprogramme auflegen und/oder für weitere Steuererleichterungen sorgen.
TIPS als Indikator der Inflationserwartung in den USA
Die Differenz der beiden yields (Rendite auf Verfall) einer 10-Jahre U.S. Treasury Inflation Protected Securities (TIPS) und einer 10-Jahren U.S. Staatsanleihe können als Indikator für die erwartete Inflationsrate genutzt werden. Bei Bloomberg Goverment Bonds können Sie diese Angaben finden:
Die Differenz von 2.37% p.a. (3.8% – 1.43%) ist die erwarte durchschnittliche Inflation für die nächsten 10 Jahre.
Da weitere Leitzinssenkungen der US-Notenbank (Fed) nicht möglich sind, kommt die quantitative Lockerung (quantitative easing) zum Zug. Das aktuelle Weltwirtschaftssystem verträgt scheinbar nur noch Dauerwachstum, andernfalls liegt es sehr schnell auf der Intensivstation.
Industrieländer haben einen rissigen Schuldenberg
Seit 1983 wurden die Zinsen in Wellenbewegungen immer weiter gesenkt. Jetzt sind wir fast bei 0% angekommen, wie wird die nächste Krise bzw. Teil 2 dieser Krise bewältigt, es gibt kaum noch Spielraum für noch billigeres Geld. Zudem haben sich die entwickelten Staaten auf Grund der aufgelegten Konjunkturprogramme, Bankenhilfe und sinkenden Steuereinnahmen noch mehr verschuldet. Ein Sonderfall ist die USA, ein Staatsbankrott dieses Staates ist unwahrscheinlich, weil sich dieser in eigener Währung gegenüber dem Rest der Welt verschulden kann. Indessen kann natürlich auch eine Abwertung des USD innerhalb 1-3 Jahren von 60% und mehr als Staatsbankrott der USA bewertet werden, ihre Kreditwürdigkeit wäre damit vermutlich vollends verloren.
Inflation ist die einfachste Lösung für die Vernichtung von Staatsschulden
Für mich gehört die Mehrheit der Politiker zu den unfähigsten Menschen dieser Welt, alle unangenehmen Themen wie die Verschuldung der öffentlichen Haushalte oder die Umwertzerstörung werden in die Zukunft verschoben. Es gibt genügend Beweise meiner Thesen. Neulich haben sie ihre Unfähigkeit an der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen einmal mehr bestätigt. Das Ziel dieser Kaste ist die Wiederwahl und nicht das längerfristige Wohl des Volkes.
Jeder Politiker, der an die Adresse der Banker eine Moralpredigt hält, sollte sofort eine gelbe Karte kriegen, es ist nichts anderes als ein Beleg der ihre Untätigkeit untermauert. Es spielt keine Rolle ob diese Dame oder Herr den Namen Angela Merkel, Barack Obama oder Hans-Rudolf Merz trägt. Die Pflicht dieser Politiker ist dem Spiel der Finanzmärkte neue Regeln zu geben – einfache Regeln sind gute Regeln.
Mit Steuererhöhungen, Sparmassnahmen oder mit einer zukunftsgerichteten Vision des Ökologischen wirtschaften werden kaum Wählerstimmen gewonnen, da wäre eine Inflation als höhere Gewalt sehr willkommen. Innerhalb einiger Jahre könnten die Staatsschulden halbiert werden und die Schuldigen könnten höchstens bei den Zentralbanken gefunden werden.
Zentralbanken
Natürlich sagen uns Ben Bernanke oder auch das SNB-Direktorium, das sie genügend Werkzeuge für die Vermeidung der Inflation haben. Es ist auch wahr, dass die wichtigen Zentralbanken unabhängig ihrer Regierungen agieren können. Anderseits lastet ein hoher politischer Druck auf den Währungshüter und diese werden die Leitzinse wahrscheinlich eher zu spät als zu früh anheben. Die Verantwortlichen der Zentralbanken müssen natürlich gegen aussen äussern, dass sie noch immer Herr der Lage sein, andernfalls würden sie schon heute eine Inflation herbeireden.
Portfolios für Deflation und Inflation
In den IndexNews des Handelsblatt vom 7.2009 wurde das Thema “Die richtige Anlage bei Inflation und Deflation” auch behandelt. Dazu gab es je zwei Portfoliovorschläge die Inflation bzw. Deflation.
Die Depots Inflation und Deflation unterscheiden sich stark, die mögliche Umschichtung von Deflation nach Inflation wäre sehr teuer zudem müsste auch noch das Timing stimmen.
Im Teil zwei werde ich auf die Portfolios eingehen…
Sicherlich muss ein Privatanleger dies Buch nicht unbedingt gelesen haben, jedoch vermittelt es eine etwas andere Sicht auf die Rolle des Zufalls. Im
Folgenden werde ich einige wenige Punkte aus diesem 250-seitigen interessanten Buch heraus herauspicken, die vielleicht die einte oder andere Überlegungen wert sind.
Autor
Nassim Taleb ist ein oder war ein mathematisch orientierter Börsenhändler der sich selbst in diesem Buch als Krisenjäger bezeichnet. Die Gruppe von Händler machen häufig kleine Verluste und selten Gewinne, aber wenn, dann im grossen Stil. Daher hat Taleb eine starke Beziehung zu den Finanzmärkten und seine Anekdoten in diesem Buch beziehen sie mehrheitlich auf die Finanzmärkte und ihrer Protagonisten.
Viele Anleger verwechseln oft ihre Fähigkeiten mit dem ihrem Glück
In diesem Buch geht es um Glück, das sich als etwas anderes (nämlich als Geschick) tarnt und wahrgenommen wird, sowie auf allgemeiner Ebene um Zufälligkeiten, die sich nicht als solche zu erkennen geben und für etwas anderes (nämlich für Bestimmung) gehalten werden.
Allgemein
Glück
Fähigkeiten
Zufall
Bestimmung
Wahrscheinlichkeiten
Sicherheit
Glaube, Mutmassung
Wissen, Gewissheit
Theorie
Realität
Prognose
Prophezeiung
Börsenanlagen
Glücklicher Narr
Geschickter Investor
Survivor Bias
Outperformance gegenüber dem Markt
Finanzwesen
Volatilität
Ertrag (oder Defizit)
Stochastische Variable
Deterministische Variable
Wie oft haben wir irrtümlicherweise angenommen, dass eine Strategie brillant sei oder jener Unternehmer ein Visionär oder dieser Börsenhändler gar ein Genie? Im Nachhinein mussten wir erkennen, dass 99.9% der bisherigen Leistung die Folge des puren Zufalls waren. Bittet man beispielsweise Investoren, die Gründe für ihren Erfolg zu schildern, werden sie tiefsinnige und überzeugende Interpretationen ihrer Anlageergebnisse anbieten. Wir lassen uns nur allzu gerne von Situationen täuschen, in denen Göttin Fortuna ihre Finger im Spiel hat. Was durch Glück gewonnen wurde, kann einem auch vom Pech wieder genommen werden.
Beispiel UBS
Gerade bei der UBS bestätigen sich diese Aussagen, ich erinnere an das ehemalige Führungsduo Marcel Ospel und Peter Wuffli. Die Herren wurden lange hochgejubelt und sind danach tief gefallen. Es spielt keine Rolle, wie oft man erfolgreich ist, wenn ein Scheitern unerträglich teuer ist. Auch wenn eine UBS bis ins Jahr 2006 ziemlich “erfolgreich” war, wäre sie ohne die immense Hilfeleistung der Schweizerischen Staates gescheitert.
Russisches Roulette
Beim russischen Roulette wird in eine der 6 Kammern des Revolvers eine Kugel eingesetzt und danach der Revolver an der Schläfe abgedrückt. Angenommen tausend anonyme Narren wiederholen dieses russische Roulette jährlich und bekommen bei ihrem Überleben CHF 10 Million. Nach 25 Jahren werden zirka 10 Narren dies überlebt haben. Mit ihrem Vermögen von über CHF 250 Millionen kämen sie in der Bilanz der 300 reichsten Schweizer. Viele würden diese Personen bewundern, nur weil sie deren Wohlstand sehen, nicht aber dessen Entstehungsprozess.
Survivor Bias
Unter Survivor Bias versteht man die eingeschränkte Wahrnehmung der Gewinner, der Überlebenden. Die wird auf deren überlegene Intelligenz und ihre besseren Fähigkeiten zurückgeführt. Die Verlierer gehen vergessen und die Gewinner verbleiben im kollektiven Gedächtnis.
Die Aussage, dass jemand in der Vergangenheit Gewinne erzielte, ist für sich genommen weder aussagekräftig noch relevant. Wie müssen wissen, wie gross die Gruppe war, aus der er hervorging. Anders ausgedrückt: Wenn wir keine Informationen darüber haben, wie viele Manager es versuchten und scheiterten, sind wir nicht in der Lage, die Gültigkeit einer Erfolgsbilanz zu beurteilen.
Laufende Kursbeobachtungen macht unglücklich
Angenommen sie haben ein Wertpapier mit einer erwarteten Rendite von 15% und einer Volatilität von 10%. Wenn die Rendite normalverteilt ist, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Jahresgewinnes 93%. Die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes auf eine Sekunde heruntergerechnet beträgt nur noch 50.02%.
Zeithorizont
Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes
1 Jahr
93%
1 Quartal
77%
1 Monat
67%
1 Tag
54%
1 Stunde
51.3%
1 Minute
50.17%
1 Sekunde
50.02%
Angenommen der Kurse wird minütlich beobachtet, so erhält der Anleger in einem Jahr 60′688 positive Minuten und 60′271 negative Minuten. Wird der Kurs monatlich beobachtet, so reduzieren sich die Enttäuschungen auf 4 Monate. Bei einem jährlichen Auszug müsste er nur einmal in 15 Jahren eine unangenehme Überraschung entgegen nehmen.
Um den emotionalen Schmerz auszugleichen, muss einem Verlust durchschnittlich ein 2.5-mal höherer Gewinn gegenüberstehen. Die Auseinandersetzung mit negativen Renditen belastet emotional erheblich mehr als Gewinne Freude bereiten, somit macht sich der Anleger mit der ständigen Überprüfung der Kursentwicklung nur unglücklich.
Seltenes Ereignis
Eines Tages bekommen Sie von Ihrem Hedge-Fonds einen Brief, der mit folgenden Worten beginnt: “Ein unvorhergesehenes und unerwartetes Ereignis, das nur selten vorkommt…”. Bis zu diesem Brief wies der Fonds eine stabile Rendite mit einer geringen Volatilität aus. Seltene Ereignisse sind immer unerwartet, sonst würden sie ja gar nicht stattfinden. Im Allgemeinen werden sie von einer Panik hervorgerufen, die ihrerseits das Ergebnis einer Liquidation ist – die Anleger stossen so schnell wie möglich alles ab, was ihnen in die Finger kommt.
Würden diese vom Fondsmanager oder Händler erwartet, hätten er und seine gleich gesinnten Kollegen überhaupt nicht in dieses Anlageinstrument investiert und das seltene Ereignis wäre ausgeblieben.
Im Internet findet man zig Experten und andere, welche “kaufen und halten” in der heutigen Zeit nicht mehr als adäquat beurteilen. Es ist für mich nachvollziehbar, dass die Diskussion über diese Strategie wahrscheinlich öfters im Nachgang eines Börsencrashs erfolgt. Die angeführten Gründe gegen diese simple Strategie sind teilweise schon fragwürdig:
Es wird zu mehr Bewegungen an den Märkten kommen, da der Handel mit Wertpapieren in den letzten Jahren wurde für die Privatanleger vereinfacht wurde. Auch die Kommissionen sind tiefer und mit den am Sekundärmarkt gehandelten ETFs kann der Privatanleger einen Aktienkorb quasi in Sekundenbruchteilen handeln. Mit einem Anlagefonds ist der Handel natürlich umständlicher und erheblich teurer.
In den letzten Jahren habe sich die Geschwindigkeit der Innovationen erhöht, dadurch kann ein Sektor viel eher in Bedrängnis geraten. Beispielsweise revolutioniert Amazon zurzeit den traditionellen Retailhandel oder Apple hat in den letzten Jahren den Takt im Handel mit digitalen Musikträgern vorgegeben.
Einige Anleger haben mehr ein Buy-and-Forget als ein Buy-and-Hold betrieben und sich nicht um die Risiken ihres Portfolios gekümmert. Die plötzliche Wahrnehmung des entarten Portfolios können beim Anleger eine Überreaktion hervorrufen, was nicht selten in Panikverkäufen endet.
Die Asset-Meltdown-These (Abschmelzung vom Vermögenswerten) besagt, dass durch die Überalterung in der westlichen Gesellschaft, ein Verkaufsdruck auf die Kurse von Aktien entstehen würde.
Es gibt noch viele andere Kritiken an “kaufen und halte”, wobei auch diese leicht entkräftet werden können. Konzentrieren wir uns auf die oben aufgeführten Punkte. Nur weil der Handel mit Wertpapieren vereinfacht wurde, muss der Anleger längst nicht jeder Modeströmung für eine Assetklasse bzw. einen Sektor nach rennen, obwohl dies einige Anleger oftmals wenig erfolgreich versuchen. Diese Assetklassen-Rotation gab es wahrscheinlich schon immer, nur das der Privatanleger heute es einfacher hat diesen Strömungen zu folgen. Was Renditemässige heute auf noch auf dem Gipfel steht, kann in einigen Wochen zum Träger der roten Laterne mutieren. Meistens schliesst sich der Privatanleger zu spät einem solchen Trend an und verpasst den rechzeitigen Ausstieg. Zusätzlich kann mit einem diversifizierten und readjustieren Portfolio teilweise auch von solchen Modeströmungen profitiert werden auch Kritikpunkt 3 kann mit einem solchen Portfolio entgegnet werden. In einigen Schwellenländern hat sich die Demografie völlig anders entwickelt als in den westlichen Ländern, das Durchschnittalter der Bevölkerung ist dort erheblich tiefer und auch diese werden das Bedürfnis nach rentablen Investitionen haben – die Nachfrage nach Aktien wird daher nicht einfach zusammenbrechen.
Privatanleger sollte nicht kurzfristig handeln
Daytrading
Der Kleinanleger sollte nicht die Übermacht der Hedgefonds oder einiger Banken wie Goldman Sachs herausfordern. Diese beschäftigen sehr intelligente und erfolgreiche Menschen, haben einen Informationsvorsprung, schnelle Computer usw. Diese Profis spielen in einer anderen Liga als wir Kleinanleger. Wer glaubt, für mehrere Jahre gegen die Übermacht zu überstehen muss schon sehr an Selbstüberschätzung leiden.
Zu aktiver Privatanleger
Der Erfolg eines zu aktiven handeln mit einem Anlagehorizont von nur mehreren Monaten oder gar Wochen ist sehr fraglich. Die Finanzinstitute wird es freuen, dies wird durch seichte TV-Sendungen wie SF Börse und Börsenstandpunkte der Handelszeitung aktiv gefördert! Gemäss dem Buch “The Investor’s Manifesto” von William J. Bernstein verfügen die meisten Kapitalanleger nicht über die nötigten Fähigkeiten:
Nur wer sich vom Geldanlagen begeistern kann, sollte es selbst machen.
Der Kapitalanleger braucht ziemlich viel Kenntnisse der Mathematik, dabei genügen Arithmetik und Algebra nicht. Voraussetzungen sind eine gewisse Sicherheit mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und ausreichende Statistikkenntnisse.
Nur wer sich auch mit der Finanzgeschichte von der Südseeblase bis zur aktuellen Finanzkrise (ab 2007) auseinandersetzt, wird das Verhalten zukünftiger Finanzblase einigermassen einschätzen können.
Selbst wenn ein Kapitalanleger alle drei dieser geistigen Anlagen besitzt, hat er noch Nichts, wenn er nicht die emotionale Disziplin verfügt, seiner geplante Strategie treu zu bleiben. Herr Bernstein ist der Meinung, dass sich nur wenige Prozente der Bevölkerung für ein selbst verwaltetes Portfolio qualifizieren.
Ich glaube, wie kürzer der Anlagehorizont gewählt wird, desto höher sind die Anforderung an die hier erwähnten geistigen Anlagen, wenn jedoch der Privatanleger einem diversifizierten Portfolio mit Readjustierung über eine oder mehrere Dekaden treu bleibt, besteht durchaus die Möglichkeit dieses emotionale Spiel zu gewinnen.
Anlagehorizont von mehreren Jahren oder Dekaden
Dabei sind Sie in der Gesellschaft der institutionellen Investoren, gegenüber diese haben die Privatanleger einige Vorteile:
Ein Fonds ist viel eingeschränkter beim Handeln als ein Privatanleger. Sie unterstehen gesetzlichen Regulierungen zudem müssen sie ähnlich ihrem Benchmark die Investitionen tätigen. Auch eine radikale Readjustierung des Portfolios ist für einen Fonds kaum möglich.
Grosse Summen in beispielsweise einen Nebenwert zu investieren ist für den Fonds oftmals schwierig, er könnte unerhofft den Preis nach oben treiben – Privatanleger haben bedeutend mehr Flexibilität.
Dann kommt noch das Quartalsende, ein Fondsmanager muss seine Performance immer wieder ausweisen und dabei könnte er seinen Job verlieren. Die Investoren sitzen ihm im Nacken und durch Abzug von Geldern, kann der Fonds nochmals zusätzlich unter Druck kommen.
Das zirka 200-seitige Buch ist ein klarer Führsprecher der buy-and-hold Strategie. Das Buch präsentiert mit zirka 80 Seiten umfassend historische Assetklassen-Renditen, diese haben mich teilweise erstaunen lassen. Ich werde kurz auf einige Kapitel eingehen und diese mit einigen Tabellen des Buches bzw. mit entsprechenden schweizerischen Daten anreichern.
Buy and Hold: Eine Strategie für Gewinner
Im ersten Kapitel wird hervorgestrichen, warum buy-and-hold noch immer die beste Strategie für den Privatanleger ist. Hierzu möchte ich eines hervorstreichen:
Regression zum Mittelwert begünstigt Buy-and-Hold-Anleger
Langfristig gesehen pendeln Aktienfondsrenditen um ihren Asset-Klassen-Renditemittelwert herum (Regression -> zum Mittelwert). Auf unterdurchschnittliche Renditen folgen – sofern man Intervalle von fünf Jahren oder mehr untersucht – tendenziell überdurchschnittliche Renditen und umgekehrt.
Anleger unterschätzen die Länge ihres Anlagehorizontes
Banken und Vermögensberater sprechen oftmals schon ab 10 Jahren von einem langfristigen Anlagehorizont. Bezogen auf die Lebenserwartung eines Menschen sind 10 Jahre wohl zu kurz gewählt. Auch ein 40-jähriger wird in der Regel einen Anlagehorizont von 20 und mehr Jahren aufweisen. Medien, Banken usw. vermitteln oftmals nur kurzfristige Tipps, dieser Datenlärm steht völlig im Widerspruch mit der langfristigen buy-and-hold Strategie.
Wie Inflation uns austrickst, und warum nur reale Renditen zählen
Was passiert mit der Kaufkraft eines CHF?
Durchschnittliche jährliche Inflationsrate
Kaufkraft eines CHF nach …
0%
1%
2%
3%
5%
1 Jahr
1.00
0.99
0.98
0.97
0.95
10 Jahren
1.00
0.90
0.82
0.74
0.60
20 Jahren
1.00
0.82
0.67
0.54
0.36
30 Jahren
1.00
0.74
0.55
0.40
0.21
40 Jahren
1.00
0.67
0.45
0.30
0.13
Diese Tabelle zeigt uns, wie die Inflation die Kaufkraft über einen längere Zeiträume “zerstört”.
In der Grafik “Entwicklung der Inflationsraten seit 1950 in der Schweiz” ist ersichtlich, dass wir seit 1994 meistens Inflationsraten unter 2% gehabt haben. Vorher war die Inflationsrate weit höher und volatiler. Es ist das Ziel der SNB, die Inflationsrate dauerhaft unter 2% zu halten.
Die meisten Anleger unterschätzen die Auswirkungen der Inflation, gerade risikoarme Anlageformen wie Sparhefte, Festgeld, Geldmarktfonds usw. sind oftmals nur werterhaltende Anlagen.
Historische Asset-Klassen-Renditen
Das Buch enthält viele Schaubildern unter anderem mit den Renditen von 1900- 2008 für verschiedene Assetklassen. Hierzu einige erstaunliche Fakten:
Aktien Welt (entw. Länder)
Langfristige Staatsanleihen (entw. Länder)
Kurzfristige Staatsanleihen (entw. Länder)
USA-Hauspreis
Goldpreis
Vervielfachung über 40 Jahre
7.6x
1.9x
1.5x
1.16x
1.19x
5.2% p.a.
1.7% p.a.
1.0% p.a.
0.37% p.a.
0.44% p.a.
Der reale (inflationsbereinigter) Vervielfachungsfaktor der wichtigsten globalen Assetklassen über einen hypothetischen 40-Jahres-Zeitraum. Der Vervielfachungsfaktor entspricht demjenigen Vermögenswert, zu dem 1 Geldeinheit anwachsen würde, die am Anfang des Betrachtungszeitraums investiert würde.
Aktien waren in diesem Betrachtungszeitraum von 109 Jahren die ertragsreichste Assetklasse. Kurzfristige Staatsanleihen, Wohnimmobilien und Gold haben keinen nennenswerten Wertzuwachs erbracht. Kommt hinzu, dass beispielsweise in der Schweiz die Kapitalgewinne nicht versteuert werden müssen, was die Aktien umso attraktiver macht.
Im Weitern werden auch die Aktienrenditen der wichtigsten Industriebranchen seit 1927 verglichen. Einen ausgeweiteten Vergleich von Assetklassen und wichtigen Indizes wie dem MSCI World Index, dem Geldmarkt oder auch HFRI Hedge Fund gibt es jährlich ab dem Jahre 1970 in einem weiteren Unterkapitel. Letztlich geben solche historische Daten dem Anleger ein etwas objektiveres Gefühl über das ewige Auf und Ab von Wertpapierrenditen. Eine negative inflationsbereinigte Rendite über eine Dekade hinweg gibt es nicht nur bei den Aktien, sondern auch beim Gold, CRB Commodity-Index, Staatsanleihen usw.
Die Renditezuschläge von Nebenwerten, Value-Aktien und Schwellenländeraktien
In diesem Unterkapitel wird auf die unterschiedlichen Kategorisierungen von Aktien eingegangen. Letztendlich wird dem Leser klar, dass die Nebenwerte, Substanzwertaktien und Schwellenländeraktien mehr Risiko bergen als Standardwerte (Large Caps), dies belohnen diese Assetklassen längerfristig mit einer höheren Rendite.
Die langfristige Steigerung von Hauspreisen in Deutschland, den USA und Grossbritannien
Die Aussagen dieses Unterkapitels waren für mich ziemlich ernüchternd. Sind doch langfristig betrachtet die reale jährliche Wertsteigerung privater Wohnmobilien nur zwischen 0 und 1%. Die rapide Hauspreissteigerung in vielen Ländern zwischen 1996 und 2007 bildet eine historische Ausnahme. Damit ist das Argument, wonach eigengenutzte Wohnimmobilien ein guter Inflationsschutz darstellen, mehr als fragwürdig.
Rohstoffrenditen seit 1801
Gerd Kommer ist gegenüber den Rohstoffen als Assetklasse eher skeptisch eingestellt. Erst seit 1999 zogen die meisten Rohstoffe über mehrere Jahre hinweg spürbar an, daraus machte die Finanzindustrie eine neue “Investment-Story”. Die Rohstoffe sind langfristig inflationsbereinigt gefallen, nur um 1870 war ein anhaltender Aufwärtstrend zu verzeichnen. Trotzdem empfiehlt der Autor die Rohstoffe – ähnlich volatil wie Aktien, aber als Diversifikation in einem Aktienportfolio.
Gold seit 1872
Zwar schlug Gold in den letzten zehn Jahren (1999 – 2008) mit 7.8% Rendite (real in EUR) jede andere Assetklasse, betrachtet man die Renditen von Gold seit 1872 so ist es alles andere als eine Erfolgsstory. Im Zeitraum von 1927 – 2008 hat Gold real nur geringfügig über der “risikofreien” kurzfristigen US-Staatsanleihe rentiert, jedoch mit einer Standardabweichung, die rund 7-mal höher liegt als das US-Staatspapier.
So investieren Sie nach dem Buy-and-Hold-Ansatz
Zu Anfang dieses Kapitel wird nochmals die Wichtigkeit der Diversifikation hervorgehoben. Andere Unterkapitel:
Humankapital: Ihr grösster Vermögenswert und wie er sich Ihr Investmentvermögen einfügt
Nimmt das Aktienrisiko mit der Länge der Halteperiode ab?
Der Steuervorteil von Aktieninvestments unter der Abgeltungssteuer
Hilft der Cost-Averaging-Effekt dem langfristigen Investor
Wie findet man den richtigen Einstiegszeitpunkt?
Buy-and-Hold-Investieren: Eine praktische Anleitung
In diesem Unterkapitel findet die interessante Tabelle “Ihre optimale Depotmischung”. Damit kann der Anleger unter anderem abschätzen, wie hoch der maximale kumulative Verlust auf den unterschiedlichen Portfolios in der Abhängigkeit der risikobehafteten Beimischung ausfallen könnte.
Das Weltportfolio: Es wird eine Auswahlliste mit möglichen ETFs und einer prozentualen Verteilung in die einzelnen Assetklassen wiedergegeben. Die Aufteilung des risikobehafteten Teiles des Portfolios würde wie folgt erfolgen:
Aktien entwickelte Märkte
55%
Large Caps
50%
Small Caps
50%
Aktien Schwellenländer
25%
Immobilen weltweit
10%
Commodities/Rohstoffe
10%
Was tun im Crash?
Noch auf bisher jeden Crash erfolgte eine Erholung und irgendeinmal wurde ein neues Allzeithoch erreicht. Risiko ist der Preis der Rendite, wenn der Anleger eine langfristige Rendite von mehreren Prozenten über der Inflation erzielen will, so kann dies nur mit dem nötigen Risiko gesehen. Die Empfehlung des Autors ist einfach: Nichts tun und auf keinen Fall verkaufen.
Meine Buchkritik
Ich habe einige neue Schlüsse aus diesem Buch gezogen, beispielsweise hatte ich vorher die Vorzüge der Investition in eine eigene Wohnmobilie überschätzt. Auch die eher langfristig tiefen Renditen bei den Rohstoffen haben mich überrascht. Bisher habe ich mehrheitlich in Large Caps investiert, zukünftig werde ich den Nebenwerten in meinem Portfolio mehr Beachtung schenken.
Schon nur für die Auflistung der historischen Daten der unterschiedlichen Assetklassen über mehrere Dekaden macht dieses Buch sehr wertvoll. Es ist eines der besten Bücher in meinem Bücherregal der Anlagebücher, wenn nicht gar das Beste!
“Souverän Investieren” ungleich “Die Buy and Hold Bibel”
Im Jahre 2002 erschien die erste Auflage von “Souverän Investieren” einem anderen Finanzbuch von Gerd Kommer, siehe mein Blogeintrag “Bücher über das Investieren die dem Privatanleger die Augen öffnen“. Die zweite überarbeitete Auflage des Jahres 2007 kenne ich nicht. Natürlich haben “Souverän Investieren” und “Die Buy and Hold Bibel” einige Überschneidungen in ihrem Inhalt, andernfalls wäre die Empfehlungen für eine langfristige Anlagestrategie von Gerd Kommer nicht sehr glaubwürdig. Das neuere Buch präsentiert eine Fülle von historischen Daten und gibt in gewissen Unterkapiteln einen Teil von “Souverän Investieren” in komprimierter Form wieder. Während der ältere Titel noch viele Seiten für die Überzeugung des Anlegers für die Investitionen in Indexfonds aufwendet. Wird in “Die Buy and Hold Bibel” die Strategie ins Zentrum gesetzt. Da ich ein Anhänger von langfristigen historischen Daten bin, würde ich mich für den neueren Titel entscheiden. Beide Bücher muss der Privatanleger nicht haben. Wenn jemand “Die Buy and Hold Bibel” kauft, muss er wahrscheinlich nicht mehr überzeugt werden, dass Stock-Picking und Market-Timing vorwiegend ein Glücksspiel ist.
Meine Meinung zu “kaufen und halten”
Der Erfolg der Buy-and-Hold Strategie stelle ich nicht infrage. Vielmehr sehe ich ein Problem, ob ein Anleger über einen kurzen oder auch längeren Zeitraum mit hohen Verlusten oder auch Gewinnen umgehen kann. Wahrscheinlich haben viele Anleger Mühe, sich für 25 Jahre und mehr an dieselbe Anlagestrategie zu binden, zudem muss er den täglichen Datenlärm der Finanzindustrie ignorieren können. Scheinbar sind nur wenige nicht reiche Privatanleger bereit, einer solchen Strategie zu folgen. Andernfalls wäre es nicht möglich, das einige Online-Broker wie E-Trading oder Saxo Bank keine Depotgebühren verlangen – sie verdienen genügt an den Transaktionskosten.
Eine Alternative sehe ich in einem einfachen quantitativen System wie es im Buch “The Ivy Portfolio” beschrieben wird. Damit kann das Risiko in einem Portfolio erheblich gesenkt werden und ist weniger den Schmerzen von Verlusten ausgesetzt.
Die Aktienkurse einiger ausgewählten Indizes haben nochmals in den letzten 3 Monaten zirka 20% zugelegt.
Index
Punktestand 3.10.2009
Seit Jahresbeginn (YTD)
Jahrestief Datum
Jahrestief Punkte
Seit Jahrestief
S&P 500
1025.21
13.50%
6.03.2009
666.79
53.75%
NASDAQ
2048.11
29.87%
9.03.2009
1265.62
61.82%
Dow Jones
9487.67
8.10%
6.03.2009
6470.11
46.64%
Dax 30
5467.90
13.67%
9.03.2009
3588.89
52.36%
SMI
6150.17
11.12%
9.03.2009
4234.96
45.22%
SPI
5308.94
16.23%
9.03.2009
3569.83
48.69%
Ich bin doch sehr erstaunt über diesen nochmaligen Aktienkursanstieg.
Prognosen der Aktienstrategen
In der letzen Zeit habe ich nur wenige Prognosen der Aktienstrategen zusammen getragen, mein Blog hat glaublich nun zu genüge gezeigt, dass diese Prognosen der Profis nicht viel taugen.
16-22. September 2009, Handelszeitung Nr. 38 “Hausse hängt an dünnen Faden”
Christoph Riniker, Aktienstratege, Julius Bär: Er vergleicht den Zugewinn in diesem Jahr mit den US-Indizesanstiegen in den Jahren 1974 und 1982. Nach dem Debakel um die Investmentbank Lehman Brothers kennt der Optimismus der Anleger keine Grenzen. Die Stimmung sei noch höher als auf der Höhe der Dotcom-Blase, dies verheisst wenig Gutes für die Märkte.
Jörg Zeugner, Chefökonom, VP Bank: Im 3. Quartal werden von den Firmen viel erwartet. Die Bilanzzahlen sollten gegenüber dem letzten Jahresviertel nochmals zu legen. Firmengewinne sind für Aktienpapiere dringend nötig, ist doch ihre Bewertung wegen der Hausse schon deutlich über den langjährigen Durchschnitt.
Bank
Kursprognose bis Jahresende
SMI-Stand Jahresende
Aktien-Tipps
Credit Suisse
Kurzzeitige Konsolidierung nicht ausgeschlossen
6400*
Georg Fischer, Dufry
Julius Bär
Konsolidierung
6200
Geberit, Swatch
UBS
Moderater Rückgang
k.A.
Nestlé, SGS
Vontobel
Keine Korrektur
6400
Tecan, Bucher
VP Bank
Korrektur möglich, keine dauerhafter Einschnitt
6500
Kühne+Nagel, Syngenta**
* 12-Monatskursziel, per 21.8.2009
** Mittelfristig Outperformance gegenüber Sektor
27.09.2009: Sonntagszeitung “Die SMI-Party geht weiter”
Die meisten von der Sonntagszeitung befragten Analysten geben sich optimistisch. Stellvertretend für die Mehrheit der positiv gestimmten Marktbeobachter gibt sich Philipp Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin: “Die globale Wirtschaft ist wieder am Wachsen und alle Makrodaten deuten darauf hin, dass sich der Aufschwung an den Börsen fortsetzt”. Er sieht den SMI bis zum Jahresende bei 6700 Punkten.
Mein Portfolio
Die Jahresperformance im Jahre 2009 meines Portfolios hat sich in den letzten 3 Monaten kaum verändert, ich habe daher kaum von der Aktienrally profitiert. Wäre ich meiner ursprünglichen Strategie treu geblieben, so hätte ich doch einige Prozente mehr an positiver Rendite einfahren können. Da ich aber seit anfangs 2008 eine positive Rendite aufweise, stört mich die bisherige geringe Rendite des 2009 nicht besonders. Die Börse hat mich daher auch noch kein Lehrgeld gekostet, obwohl ich viel gelernt habe, zudem ist es müssig, über entgangene Gewinne zu lamentieren. Inzwischen habe ich noch eine exaktere Vorstellung eines für mich “idealen” Portfolios. Zudem werde ich meine Strategie/n in ein quantitatives System umsetzten, in einigen Monaten wird dann hoffentlich dieses implementierte System die Kauf- und Verkaufsentscheidungen in meinem Portfolio treffen. Als Informatiker ist es viel spannender, ein Handelssystem oder Ähnliches zu programmieren, welches einem die lästige Arbeit der Marktbeobachtung abnimmt, als seine Zeit mit dem aktuellen Börsengeschehen zu vergeuden.
Mein Anlagehorizont ist mehrere Jahre, daher wird dieses System darauf optimiert sein, nur wenige Verkauf- bzw. Kaufsignale zu liefern. Damit ist alles andere als ein Daytradinghandelssystem und ich “spiele” nicht gegen die Monstercomputer der Hedgefonds oder gewisser Banken mit ihren ausgeklügelten Algorithmen erschaffen von Mathematikern, Physikern und Informatiker. Gegen diese materielle und intellektuelle Übermacht wird jeder Daytrader früher oder später zum Verlierer.
Transaktionen
In den letzten drei Monaten habe ich meine Aktienpositionen sowohl long wie auch short reduziert. Der grösste Teil der Euros wurden in einen Lyxor ETF EuroMTS Inflation Linked (FR0010174292) investiert, wobei der Anleihenanteil noch immer aus 2/3 Firmenanleihen besteht.
Fremdwährungen
Währungspaar
Mittelkurs am 2.10.2009
EUR/CHF
1.5078
GBP/CHF
1.6499
USD/CHF
1.0352
Jegliche Rendite auf Anleihen oder auch Aktien wurden durch die Fremdwährungsverluste kompensiert. Mein Portfolio reagiert sehr stark auf Währungsschwankungen. Mit dem Verkauf der GBP habe ich nahezu einen Verlust von 28% eingefahren. In den letzten 3 Monaten hat der USD über 5% abgegeben, dies macht sich natürlich sofort in meinem Portfolio bemerkbar.
Meine Prognose
Wachstum?
Am Aktienmarkt scheint es so, als ob der die grösste Kreditblase der Weltgeschichte nie stattgefunden hätte, obwohl bei den Banken das Kreditvolumen an den Privatsektor geschrumpft ist. Ein Anstieg der privaten Nachfrage kommt durch steigende Saläre oder höhere Verschuldung bzw. tiefere Sparquoten zu Stande, zurzeit ist keine dieser Bedienungen erfüllt, woher kommt das Wachstum?
Aktien teuer?
Den Aktienmarkt halte ich für eher teuer, gemäss “Is the Stock Market Cheap?” von dshort liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 19.1 für den S&P 500 oder gar bei 137.3. Wobei das durchschnittliche KGV von fast 137.3 auf den bereinigten Nettogewinn auf den vergangenen vier Quartalen berechnet wird. Nach starken Konjunkturwenden kann diese Berechnung des KGV zu wenig sinnvollen Werten führen. Es gibt noch das “Shiller-KGV” (P/E10), benannt nach Robert Shiller, dieses basiert auf den durchschnittlichen Gewinn der letzten 10 Jahre. Dabei liegt dieses KGV bei 19.1 bei einem längjährigen Mittelwert von 16.3. Am 7.10.2009 wird Alcoa Inc. als Erste des Dow Jones Industrial seine 3Q Unternehmenszahlen 2009 bekannt geben. Die Gewinne des 3Q müssen um mehr als 15% steigen damit dies gemäss P/E10 wieder “fair” bewertet sind, andernfalls müssten die Aktienkurse entsprechend sinken.
Analysten haben nochmals tiefgestapelt
Die Konsensusschätzung für das dritte Quartal 2009 in den USA liegt derzeit noch 7% unter dem im zweiten Quartal realisierten Gewinnen. Diese nicht gerade hohen Gewinnerwartungen könnten die Unternehmen durchaus nochmals mehrheitlich übertreffen. Zudem war der USD im 3Q ziemlich schwach, was sich positiv in den Bilanzen der US-Unternehmen niederschlagen sollte. Die Aktienkurse können durchaus nochmals steigen, auf Grund der besser als erwarteten Resultate.
Vor ein paar Monaten habe ich mir das Buch “The Ivy Portfolio” gekauft. Ein Unterkapitel in diesem Buch heisst: “Winning by Not Losing”, daher der Titel dieses Eintrages. Einige Ideen aus diesem Buch könnten vielleicht für den einten oder anderen Privatanleger hilfreich sein.
The Ivy Portfolio, Mebane T. Faber und Eric W. Richardson, Wiley 2009
“How to Invest Like the Top Endowments and Avoid Bear Markets” ist der Untertitel dieses Buches.
Die ersten drei Kapitel sind ausführlich den Stiftungen der Elite-Universitäten Harvard und Yale gewidmet. Diese werden als Vorbild für das Efeu-Portfolio angeführt, letztendlich sollte der Leser mit dem erworbenen Wissen selbst ein Portfolio erstellen und managen können. Dieses sollte eine stabile Rendite unabhängig der Märkte generieren. Das Buch ist auf den amerikanischen Markt ausgerichtet, daher sind die vorgeschlagenen Portfolios für einen europäischen bzw. schweizerischen Privatanleger so nicht übertragbar. Ich werde nur einige interessante Unterkapitel kurz erwähnen.
Teil
Titel (Deutsch)
Kapitel
Ausgewählte Unterkapitel
1
Konstruktion des Efeu Portfolios
The Super Endowments
Summary
The Yale Endowment
Of Alphas and Betas
The Harward Endowment
Building Your Own Ivy League Portfolio
Inflation Is the Enemey
Creating an All-Weather Policy Portfolio through Indexing
Implementing Your Portfolio
Rebalacing Yor Portfolio
2
Alternative Anlage
Private Equity
Summary
Hedge Funds
Summary
3
Aktives Management
Winning by Not Losing
The Quantitative System
A Rotation System
Following the Smart Money
Develop an Action Plan
Implementing Your Ivy Portfolio
Konstruktion des Efeu Portfolios
The Super Endowments, Summary
Die grossen Stiftungen haben auf Grund ihres aktiven Asset Management, eine Mehrrendite gegenüber den kleinen Stiftungen, die vermehrt eine passive buy-and-hold Strategie fahren.
Bei den grossen Stiftungen ist die Gewichtung von traditionellen Anlagen geringer, umsomehr sind die Anteile an realen (Immobilien, Grundstücke usw.) und alternativen Anlagen höher.
Of Alphas und Betas
Bei aktiv gemanagten Geldanlagen werden des Öfteren die zwei griechischen Buchstaben Alpha und Beta benutzt. Ein ETF, der einen Index nachbildet, kann diesen nicht “schlagen”, daher generiert der passive ETF nur Beta. Ein Aktienfonds hat einen Benchmark, wenn der Fondsmanager eine Mehrrendite über diesem Benchmark erzielt, so hat er ein positives Alpha generiert. Ein aktiv gemanagter Aktienfonds hat in der Regel viel höhere Gebühren als ein passiver ETF, dafür erwartet der Anleger von diesem Fonds ein entsprechendes positives Alpha.
Building Your Own Ivy League Portfolio
Inflation Is the Enemey (Inflation ist Ihr Feind)
Dass die Renditen der Asset Klassen sehr unterschiedlichen während der Zeitperioden von hoher bzw. tiefer Inflation ausfallen ist wohl bekannt. Folgende Renditen wurden während der Inflationsperioden von 1972-2007 erzielt:
U.S. Aktien
Nicht U.S. Aktien
U.S. Anleihen
Rohstoffe
Immobilien (US-Reits)
Inflation
Hohe Inflation (1972-1981)
8.46%
12.54%
3.27%
19.16%
11.16%
8.70%
Tiefe Inflation (1982-2007)
14.11%
14.24%
10.84%
12.65%
12.83%
3.15%
Meine Bemerkung: Mit nur zwei Teilzeiträumen ist eine solche Aussage wie in der obigen Tabelle ein bisschen fahrlässig.
Daraus ist ersichtlich, dass Rohstoffe ein guter Schutz vor Inflation sind und das Anleihen erwartungsgemäss sich in Zeiten von hoher Inflation kaum noch Erträge abwerfen.
Creating an All-Weather Policy Portfolio through Indexing
Die folgende Zahlen bestätigen, dass Stock-Picking nur in seltenen zu einem Alpha führt. Eric Crittenden und Cole Wilcox haben den Russel 3000 seit 1983 auf die Aktienrenditen untersucht. Der Russel 3000 beinhaltet die 3000 grössten U.S. Firmen. Über diese Zeitperiode hatten 40% der Aktien eine negative Rendite, 20% verloren fast ihren gesamten Wert und 10% Aktien legten über 500% zu. Zusammengefasst konnten nur 36% der Aktien ihren Index schlagen, d.h. 64% der Aktien performten schlechter als der Russel 3000.
Implementing Your Portfolio (Umsetzung des Portfolios)
Es werden unterschiedliche Portfolios mit mehr oder weniger Asset Klassen erläutert. Die folgende Tabelle enthält das einfachste Portfolio.
Deutsche Bank Liquid Commodity Index (DBLCI). Preisentwicklung von
sechs Rohstoffen ab: Rohöl (WTI), Heizöl, Aluminium, Gold, Weizen und
Mais.
Die Aufteilung entspricht 40% Aktien und je 20% in die anderen Asset Klassen. Dieses Portfolio ist natürlich für unseren EUR- und CHF-Markt nicht geeignet. Die alternativen Anlagen sind in diesen Portfolios nicht vertreten.
Rebalacing Yor Portfolio
Das Portfolio sollte jährlich überprüft werden und eventuelle ein Rebalancing durchgeführt werden. Viel steht in diesem Unterkapitel noch über Optimierung von Steuern, was aber nicht auf die Schweiz übertragbar ist.
Alternative Anlagen
Private Equity
Für einen Privatanleger ist der Zugang zu Private Equity eher schwierig. Normalerweise kann nur mit einem hohen minimalen Betrag in diese Asset Klasse investiert werden. Es gibt Private Equity ETFs, diese investieren aber meistens in die Aktien von Firmen, die in Private Equity Firmen involviert sind, es ist damit eine indirekte Investition.
Hedge Funds
Auch die Investitionen in Hedge Funds erweisen sich für die nicht sehr reichen Privatanleger als schwierig. Es gibt auch ETFs, welche diese Asset Klasse abdecken, beispielsweise den db HEDGE FUND INDEX ETF (ISIN: LU0328476337).
Aktives Management
Winning by Not Losing
Schon fast regelmässig gibt es Blasen, die nach dem Platzen, die Aktien 40% – 80% abstürzen lassen. Wenn jemand einen Verlust von 75% einfährt, braucht er danach einen Gewinn von 300% um diese Verluste auszugleichen. Seit 1900 verlor der Dow Jones mehr als 30 Mal über 20% und 10 Mal verlor er über 40%. Wie wäre es schön diese Verluste vermeiden zu können, wobei Sie dabei Ihr grösster Feind sind.
Mit einem mechanischen System können die persönlichen Emotionen bei der Kauf- bzw. Verkauf-Entscheidung eliminiert werden. Das vorgeschlagene System basiert auf dem gleitenden Durchschnitt (SMA). Oftmals erzeugen solche Systeme viele Kauf bzw. Verkaufs-Signale, was hohe Transaktionskosten verursacht. Das Buch schlägt ein System vor, mit einem gleitenden Durchschnitt basierend auf Monatsdaten.
S&P 500
Mechanisches Timing
Rendite per annum
9.21%
10.45%
Volatilität
17.87%
12.02%
Sharpe 4%
0.29
0.54
Maximaler Verlust
-83.66%
-50.31%
Bestes Jahresrendite
52.88%
52.40%
Schlechteste Jahresrendite
-43.86%
-26.87%
Aus der Tabelle wird ersichtlich das die Rendite beim mechanischen System gegenüber buy-and-hold zirka 1% höher ausfällt. Zudem ist die Volatilität, d.h. das Risiko um zirka 5% geringer. Wie das System funktioniert:
Kaufregel: Wenn Kurs > 10-Monat SMA
Verkaufregel: Wenn Kurs < 10-Monat SMA
Aus dem oben dargestellten Diagramm ist ersichtlich, warum die Volatilität mit diesem mechanischen System geringer ausfällt. Bei hohen Kursrückschlägen ist der Anleger in der Regel nicht mehr long positioniert. Anderseits kann von einem raschen Anstieg der Kurse, wie diese seit dem 9.03.2009 stattfindet, erst mit einer Verzögerung profitiert werden. Letztendlich “glättet” ein solches System die hohen Verluste bzw. Gewinne. Der 10-Monat-SMA ist nicht die einzige richtige Lösung, beispielsweise könnte ein 8-Monat-SMA durchaus für einen anderen Index bzw. andere Zeitperiode bessere geeignet sein.
Mit dem Analysis-Tool von Swissquote können Sie problemlos ein solches MAV (SMA) Chart darstellen lassen.
A Rotation System (Das Rotationssystem)
Im oben dargestellten System kann es vorkommen, dass man zu einer bestimmten Zeit nur mit 20% in eine Asset Klasse investiert ist und 80% Cash hält. Es gibt Anleger, die einem Rotationssystem folgen, dabei werden die durchschnittlichen Renditen in Perioden von 1, 3, 6 oder 12 Monate/n berechnet. Die Wahl der Periode ist dabei nicht so entscheidend, im Buch werden gar alle Perioden für die Renditenberechnung der Asset Klassen vorgeschlagen. Danach erfolgt die Investitionen für die nächste Periode in die X Asset Klassen mit den höchsten Renditen. Beim einfachen Portfolio würden beispielsweise je 50% in die zwei Asset Klassen investiert, die in den letzten Perioden die höchsten Renditen abwarfen. Es wird nicht empfohlen 100% auf eine Asset Klasse zu setzen – andernfalls geringerer Diversifikationseffekt und höheres Risiko. Beim Fünf-Asset-Klassen Portfolio wird eine minimale Aufteilung in 2 oder 3 Asset Klassen empfohlen.
Following the Smart Money (Dem intelligenten Geld folgen)
Das Buch schlägt hier eine Stock-Picking Strategie vor, indem man den besten Fondsmanagern mit Verzögerung über die Schultern schaut.
In den USA müssen die Anlagefonds ab einem Anlagevermögen vom mehr USD 100 Millionen ihre Assets quartalsweise der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) melden. Diese Assets können innerhalb 45 Tage nach Quartalsschluss in der EDGAR Datenbank eingesehen werden. Es werden aber nur Long-Positionen ausgewiesen, d.h. keine Short-Positionen und auch keine Derivate.
In EDGAR kann beispielsweise die gehaltenen Positionen von Berkshire Hathaway (CIK-Nr.: 0001067983) ermittelt werden.
Im Feld “Filling Type” wird nur “13F” eingegeben und nach der Suche steht der neuste Quartals-Report zuoberst auf der Liste. Damit können die gehaltenen Aktienpositionen von Warren Buffett’s Berkshire erfahren werden.
Das Buch enthält eine Liste von Fonds, die sich für eine solche Prozedur eignen. Es gibt auch eine kostenpflichtige Website AlphaClone, welche diese Alpha-Selektion durchführt.
Develop an Action Plan, Implementing Your Ivy Portfolio
Dieses Unterkapitel gibt eine schrittweise Anweisung für die Implementierung Ihres Portfolios. Beispielsweise müssen Sie gemäss Ihrem Risiko/Rendite Profil herausfinden, wie hoch Sie die einzelnen Asset Klassen in Ihrem Portfolio gewichten wollen. Dieses Kapitel enthält nur zirka 7 Seiten, daher ist es mehr eine Zusammenfassung der vorhergehenden Kapitel.
Meine Buchkritik
Investieren wie die beiden Stiftungen Harvard und Yale, ist für den Privatanleger nicht möglich, daher wird dieses Buch dem Untertitel “How to Invest Like the Top Endowments and Avoid Bear Markets” nur zum Teil gerecht. Zudem haben auch die beiden Stiftungen im letzten Geschäftsjahr erhebliche Verluste eingefahren. Mit einem Verlust von 24.6% ging am 30.6.2009 das Geschäftsjahr der Yale-Stiftung zu Ende, gar einen Verlust von 27.3% erlitt im gleichen Zeitraum die Harvard-Stiftung. Zudem haben beide Stiftungen sehr viel Geld in eher illiquiden Anlagen was viele Privatanleger sicherlich vermeiden wollen.
Die Ratschläge für die Vermeidung eines Bärenmarktes können eher von einem Privatanleger umgesetzt werden. Zurzeit sind Investitionen in Alternative Anlagen wie Hedge Fonds oder Private Equity für den nicht reichen Privatanleger eher schwierig, trotzdem widmet das Buch zirka 25% des Inhaltes diesem Thema. Gleichwohl kann ich dieses Buch empfehlen, da er dem Leser reale ETF-Portfolio vorschlägt, natürlich müssten diese auf den schweizerischen Markt angepasst werden. Zu diesem Buch gibt es noch die interessante Website “The Ivy Protfolio“.
Was bei Lebensmittel- und Pharmaindustrie so nicht ist
Wären Sie glücklich, falls die Lebensmittelindustrie auf den Produktaufdruck der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angabe verzichten würde. Dafür würde die Lebensmittelindustrie nach gehäuften Lebensmittelerkrankungen eine Broschüre mit dem Titel “Besondere Risiken bei Lebensmittel” in die Haushaltungen verschicken.
Was würden Sie dazu sagen, wenn der Beipackzettel bei den Medikamenten nur das Anwendungsgebiet, die Dosierung bzw. Dauer der Anwendung und die Haltbarkeit des Medikamentes ausweisen würde. Keine Hinweise auf die möglichen Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten usw. Sie würden aber nach gehäuften Todesfällen verursacht durch Medikamente von der Pharmaindustrie ein Heft mit dem Titel “Besondere Risiken bei Medikamenten” nachhause geschickt bekommen.
Um beim Vergleich der Schweizer Onlinebroker zu bleiben, es wäre durchaus möglich die fehlenden Informationen der Lebensmittel bzw. der Medikamente mittels Internet umständlich zu ermitteln.
Nicht nur die Rendite zählt
Wahrscheinlich haben viele Anleger im Jahr 2008 und teilweise auch 2009 schmerzlich erfahren, dass die Rendite nur ein Teil einer Finanzanlage ist und das Risiko oftmals zu wenig beachtet wird.
Ende 2008 und Anfang dieses Jahres bekam ich von den Banken, wo ich online Wertschriften handle, das Heft “Besondere Risiken im Effektenhandel”. Wahrscheinlich habe fast alle online Trader von ihren Brokern eine solche Druckschrift erhalten. Erstaunlicherweise wurden die Anleger erst mit dem Börsenabsturz 2008 wieder einmal an diese Risiken erinnert.
Angenommen Sie gehen zum ersten Mal zu einem Anlageberater, dann werden Sie hoffentlich feststellen, dass er viel Zeit verwendet, um Ihr Risikoprofile zu ermitteln. Zusätzlich zu Ihrer Risikoneigung wird der Anlageberater auch Ihr erwartetes Renditenziel und den ungefähren Anlagehorizont wissen wollen. Mit diesen drei Parametern, ausgedrückt in Zahlen, kann eine Finanzanlage bzw. ein Portfolio ermittelt werden. Die meisten Wertpapiere haben ein Risiko/Rendite Profil, was vielfach aus historischen statistischen Kursen errechnet wird. Der Anlageberater wird auf Grund dieses quantitativen Anlageprozess, eines für Sie passendes Portfolio ermitteln.
Keine Risikoangaben bei Schweizer Onlinebroker
Leider kümmert sich der Schweizer Onlinebroker wenig um das eingegangene Risiko ihrer Kundschaft. Ich habe einmal ein paar Onlinebroker darauf hin geprüft, welche Risikozahlen sie beim Kauf eines Wertpapiere angeben.
Keine Angaben über die Risiken beim Kauf eines Wertpapieres und auch nicht für das Gesamtrisiko des Portfolios. Es ist mir unerklärlich, warum E-Trading ein Werkzeug für die Chartanalyse anbietet und anderseits ihren Onlinetrader über die Risiken seines Portfolios im Dunkeln lässt.
Andere Handelsplattformen
Weiter habe ich auch die Demoversionen der Handelsplattform von Saxo Bank und Keytrade Bank kurz geprüft, auch dort keine Angaben über Risiken. Anders bei der Rendite, diese wird bei vielen Onlinebrokern ausgewiesen.
Swissquote hat es, will dies aber teilweise bezahlt haben
Risikoangabe für Portfolio
Bei der Swissquote kann das Portfolio nach Value at Risk (VaR) ausgewertet werden. Dieser wird für den aktuellen Tag, für eine Woche und einen Monat berechnet. Dasselbe gilt auch für den Value at Gain (VaG), mit diesen Angaben können auch die Risiken für asymmetrische Anlagen dargestellt werden, was für viele strukturierte Produkte sehr hilfreich ist. Auch das Gesamtrisiko der Portfolios wird auf einer Skala von 1 bis 10 eingestuft.
Bei Portfolios mit nur symmetrischen Anlagen wie beispielsweise ETF’s, Aktien usw. wäre es wünschenswert, wenn die Risiken für ein Jahr ausgewiesen würden.
Risikoangaben beim Kauf
Der Equity- und Portfolio Analyzer von Swissquote scheinen meinen Forderungen bezüglich der Risikoangaben beim Kauf einer Position auch zu erfüllen, leider konnte ich diese beiden Werkzeuge noch nicht in Aktion sehen. Wobei Swissquote diese Dienstleistung jährlich mit CHF 199.– in Rechnung stellt, ebenfalls für Kunden mit einem Konto.
Onlinebroker ohne Risikozahl/en nicht akzeptabel
Für mich als Onlinetrader ist dieser Zustand der fehlenden Risikozahlen nicht akzeptabel. Ich frage mich, für was wir in der Schweiz eine eidgenössische Finanzmarktaufsicht (finma) haben. Diese verlangt von ihr überwachten Banken auch Risikozahlen, warum hat der Privatanleger kein solches Recht auf diese Risikozahlen der Onlinebroker. Obliegt es nicht der finma, den Kunden vor den Banken zu schützen?
Natürlich können diese Risikowerte für viele Wertpapiere, irgendwo im Internet gefunden werden und das Risiko eines Portfolios kann der Trader selbst berechnen. Nur gehören Rendite und Risiko zusammen und müssen entsprechend auch von den Handelsplattformen berechnet und ausgewiesen werden.
Den Einwand, dass viele Trader diese Zahlen sowieso nicht verstehen würden, kann als Begründung auch nicht angeführt werden. Falls ein Anleger die Risikowerte nicht versteht, kann er sich diese von seinem Anbieter erläutern lassen, möglicherweise lässt er sich diese Dienstleistung gar bezahlen.
Eine Rendite über einer risikolosen Anlage umfasst auch ein Risiko, der Anleger hat Anrecht dieses Risiko durch den Onlinebroker quantifiziert zu bekommen.
In diesem Beitrag werde ich aufzeigen, wie Sie die Korrelation mit Excel selbst berechnen können. An ein paar Praxisbeispielen werden wir sehen, warum Korrelationen hilfreich sein können.
Für das folgende Praxisbeispiel habe ich mir die Tageskurse einiger ETF’s sowie der Aktie Nestlé bei der SIX abgeholt. Auf Grund des UBS-ETF MSCI JAPAN (FDJPHU/ LU0136240974) hat mich noch die Korrelation zum Währungskurse JPY/CHF interessiert.
Wertpapier/Währung
Standardabweichung 250 Tage
ZKB SILVER ETF (ZSIL/ CH0029792717)
49.63%
ZKB GOLD ETF (ZGLD/ CH0024391002)
28.84%
Xmtch (CH) SLI (XMSLI/ CH0031768937)
38.36%
UBS-ETF MSCI JAPAN (FDJPHU/ LU0136240974)
46.07%
NESTLE N (NESN/ CH0038863350)
30.42%
DB X-TR DAX (XDAX/ LU0274211480)
47.06%
DB X-TR SHORT DAX (XSDX/ LU0292106241)
36.93%
JPY/CHF
17.13%
Die meisten dieser Wertpapiere bzw. Währungskurs stehen in Zusammenhang mit meinem Portfolio, zudem wollte ich meine gefühlsmässigen Annahmen bezüglich Korrelationen zwischen den Wertpapieren überprüfen.
Korrelationen auf Tageskursen
Ich habe die Korrelationen für ein Jahr bzw. für 90-Tage auf den Tageskursen berechnet.
Die 90-Tage-Korrelationen wurden vom 22.04.2009 – 28.08.2009 berechnet, es sind also nicht 3 Monate, sondern 90 Handelstage. Samstag, Sonntag und Feiertage gibt es keinen Börsenhandel, daher sind diese Tage auch nicht in die Berechnung eingeflossen.
Korrelationen auf Wochenkurse
Ab einem Zeitraum von 6 Monaten empfehle ich, die Wochenkurse zu nehmen und nicht die Tageskurse. Daher habe ich auch die Jahreskorrelationen auf der Basis von Wochenkursen berechnet, wobei ich den Freitag als Kurstag benutzte. Im Dezember 2008 und Mai 2009 gibt es einen Zwei-Wochen-Sprung, dies sollte das Ergebnis aber nicht stark beinträchtigen.
Tageskursen können manchmal Extreme ausweisen, was das Resultat der Korrelationen ein wenig verfälscht. Diese Extreme könnten sich innerhalb einer Woche wieder normalisieren und daher sind Wochenkurse für die Erstellung von Korrelationen über einen längeren Zeitraum oftmals die bessere Wahl.
Korrelationen in der Praxis und meine gefühlsmässigen Annahmen
Wer die Kurse täglich oder wöchentlich beobachtet, wird wahrscheinlich automatisch gewisse Korrelationen zwischen den Kursen der Wertpapiere feststellen. Beispielsweise steigt der Ölpreis zurzeit mit den Aktienindizes, dies ist nicht immer so. Noch im Jahr 2008, als der Ölpreis über UDS 100 lag, wiesen diese beiden Assets eine negative Korrelation auf. Ich werde im Folgenden auf einige Korrelationen die mein Portfolio beeinflussen eingehen.
Silber, Gold und Aktien
Es gibt eine starke Korrelation (>0.7) zwischen Gold und Silber. Ich hatte aber in der letzten Zeit (90 Tage) das Gefühl, das der Silberpreis zunehmend auch mit den Aktienindizes korreliert. Die 90-Tage-Korrelation scheint dies mit dem SLI und dem Dax zu bestätigen. Die auf ein Jahr hochgerechnete Volatilität des Silbers war mit fast 50% weitaus höher als die des Goldes mit nur zirka 29%.
Dass die Streuung beim Silber höher ist, lässt sich hervorragend mit einem Punktdiagramm darstellen. Im Oktober 2008 gab es beim Silber gar eine positive wie negative Rendite in Bereich von 10%.
Silber wird mehr als Gold in der Industrieproduktion verwendet, daher scheinen die höhere Korrelation zu den Aktien und höhere Volatilität gegenüber Gold nicht zu erstaunen.
Nestlé, SLI und Dax
Ich habe zurzeit keinen direkten Aktientitel in meinem Portfolio, vor Kurzem habe ich mit Intel meine letzte Position verkauft. Trotzdem finde ich Nestlé eine mögliche Option für mein Portfolio, er ist mit einer Standardabweichung von zirka 30% weniger volatil ist als der SLI mit zirka 38%. Zudem zahlte Nestlé am 29.04.2009 eine Jahresdividende von CHF 1.40 pro Einheit, d.h. mehr als 3%. Die 90-Tage-Korrelation von Nestlé zum SLI beträgt nur 0.24, was diesen Titel nebst der Dividendenzahlung zusätzlich interessant macht. Dieser Titel könnte definitiv auch eine Bereicherung für ein reines Anleihenportfolio sein.
UBS-ETF MSCI JAPAN und JPY/CHF
Zurzeit habe ich noch den UBS-ETF MSCI JAPAN (FDJPHU/ LU0136240974) in meinem Portfolio. Ich werde das Gefühl nicht los, das der steigende MSCI Japan einhergeht mit fallendem Yen. Meine Annahme wird nur teilweise von der 1-Jahr-Wochenkurs-Korrelation bestätigt.
DB X-TR DAX Dax und DB X-TR DAX Short Dax
Wahrscheinlich erwarten Sie zwischen den beiden ETF’s eine vollständige inverse Korrelation. Die 1-Jahr-Wochenkurs-Korrelation kommt mit -0.85 der -1 noch am nächsten. Ich stelle mir vor, dass die Abweichung auf Grund des fehlenden Volumens an der SIX zu Stande kommt bzw. die beiden ETF’s den Dax kaum synchron exakt tracken. Diese Theorie wird durch die 1-Jahr-Wochenkurs-Korrelation gestützt, damit werden die täglichen Abweichungen zum Net Asset Value (NAV) teilweise “geglättet”.
Anmerkung zu Excel
Damit die folgenden Arbeitsmappen korrekt funktionieren, müssen Sie die Ausführung von Makros erlauben. Zuerst können Sie diese zuerst ohne die Ausführung der Makros laden und den Quellencode der Makros im Microsoft Visual Basic [ALT]+[F11] prüfen. Wie Sie oben sehen, wurde in Excel 2007 die “Bedingte Formatierung” erweitert. Eine solche Einfärbung einer Matrix ist nun “kinderleicht”.
Gibt den Korrelationskoeffizient einer zweidimensionalen Zufallsgrösse zurück, deren Werte in den Zellbereichen Matrix1 und Matrix2 stehen. Das Excelmakro CorrMatrix(Matrix) erleichtert die Berechnung einer Matrix von Korrelationen, siehe “Computing The Correlation Matrix – By Simon Benninga“. Dort können Sie auch entnehmen, wie eine solche Funktion in Excel eingegeben wird.
Diese Funktion gibt die Kovarianz zurück, den Mittelwert der für alle Datenpunktpaare gebildeten Produkte der Abweichungen. Wie beim Korrelationskoeffizienten steht eine positive Kovarianz für eine positive lineare Assoziation zwischen den Datenpunktpaar und umgekehrt. Da der Wert der Kovarianz von den Einheiten der Datenpunktpaare abhängt, gibt es keinen “absoluten” Wert. Für den Anwender ist der Korrelationskoeffizient für die Beurteilung der Stärke der Assoziation weitaus besser geeignet. Das Excelmakro VarCovar(Matrix) ermöglicht die Berechnung einer Matrix von Kovarianzen.
Einige ETF-Anbieter bieten ihren Kunden Tools an, so auch iShares. Leider bekommt nur der nachgewiesene institutionelle Kunde den Korrelationsrechner zur Verfügung gestellt. Scheinbar trauen iShares dem Privatanleger nicht zu, dass er ein solches Tool versteht und für sich anwenden kann. Ich weiss nicht, ob ich in Zukunft weiterhin ETF’s von iShares kaufen werden, ich finde eine solche Bevormundung von Privatkunden ungerecht.